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Goethe-Uni kritisiert Gendervorschriften in Hessen

Kontroverse an der Goethe-Uni: Warum stellt sich die Hochschule gegen Vorschriften zum Gendern?

Die Goethe-Universität in Frankfurt zeigt sich kritisch gegenüber den Vorschriften zum Gendern. Laut dem Präsidenten der Universität, Enrico Schleiff, stellen diese Vorgaben eine massive Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre dar. In einem internen Rundschreiben an Studierende, Mitarbeiter und Wissenschaftler betont er, dass es bisher keine Regelung der hessischen Landesregierung bezüglich des Sprachgebrauchs an der Universität gibt. Es besteht weder eine Verpflichtung noch ein Verbot, in einer bestimmten Weise zu gendern.

Die Haltung der Goethe-Uni steht im Kontext der Bestrebungen im schwarz-roten Koalitionsvertrag, die Gendersprache an öffentlich-rechtlichen Einrichtungen abzuschaffen. Diese Pläne erstrecken sich auch auf Universitäten. Die Koalition beabsichtigt, auf geschlechtsspezifische Sonderzeichen zu verzichten und sich an die Rechtschreibregeln zu halten. Ministerpräsident Boris Rhein hat Ende März die Verwendung von Gendersprache mit Doppelpunkt, Binnen-I, Unterstrich oder Sternchen in der Landesverwaltung untersagt. Diese Schreibweisen werden auch bei den aktuellen Abiturprüfungen an Schulen als Fehler angesehen.

Enrico Schleiff bekräftigt das Selbstverständnis der hessischen Universitäten als vielfältige und inklusive Orte, die Gleichstellung, Diversität und Antidiskriminierung fördern. Die Einbeziehung aller Geschlechtsidentitäten in der Ansprache wird als wichtiger Bestandteil dieser Bemühungen angesehen. Eine Einmischung der Landesregierung in die Sprache an den Hochschulen wird als erhebliche Einschränkung der Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre betrachtet, die sowohl im Grundgesetz als auch in der Hessischen Verfassung garantiert ist. Schleiff betont die Bedeutung von Hochschulen als Plattformen des freien Denkens, des wissenschaftlichen Austauschs und des Diskurses, die durch Verbote konträre Werte verkörpern würden.

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Lebt in Brandenburg und ist seit vielen Jahren freier Redakteur für Tageszeitungen und Magazine im DACH-Raum.
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