Am 30. Januar 2025 ist der Amazonas-Regenwald erneut in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Würzburger Forschende, darunter Kim Lea Holzmann und Pedro Alonso-Alonso, haben die Auswirkungen von Kältewellen im Amazonas untersucht. Während ihres Aufenthalts im Süden Perus im Jahr 2023 sind sie auf ein bemerkenswertes Phänomen gestoßen: Kälteperioden, die drastische Temperaturabfälle verursachen können. So fiel die Temperatur am 13. Juni 2023 von durchschnittlich 23,9 auf 10,5 Grad Celsius und blieb fast eine Woche lang auf diesem niedrigen Niveau.

Die Forscher arbeiteten eng mit einheimischen Feldassistenten zusammen, die berichteten, dass mehrtägige Kälteeinbrüche im Amazonas nicht selten sind. Zwischen 1980 und 2017 sind insgesamt 67 solcher Kältewellen im Amazonasbecken identifiziert worden. Diese extremen Wetterereignisse entstehen in der Regel durch Kaltluftfronten aus der Antarktis, die in diese tropischen Regionen vordringen.

Reaktionen der Tierwelt

Die Studie, die im Journal Biology Letters veröffentlicht wurde, ist die erste ihrer Art, die die Reaktionen von wildlebenden Tiergemeinschaften auf diese Kältewellen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Insekten und Säugetiere relativ gut mit den Temperaturabfällen umgingen, während einige Insektenarten, insbesondere Dungkäfer, signifikant betroffen waren. Während der Kältewelle sank die Biomasse und Aktivität aller Insekten stark, wobei sich die Populationen nach der Kälteperiode schnell erholten – mit Ausnahme der Dungkäfer.

Die Forscher führten Experimente in einem Thermostaten durch und entdeckten, dass viele Insekten auch tiefere Temperaturen als die während der Kältewelle gemessenen überstehen konnten. Säugetiere reduzierten während der Kältewelle ihre Aktivität, um Energie zu sparen, und kehrten nach den kühlen Tagen zu ihren üblichen Tagesabläufen zurück. Subjektive Beobachtungen deuteten darauf hin, dass auch Vögel, Reptilien und Amphibien während dieser Zeit weniger aktiv waren.

Bedeutung des Amazonas-Regenwaldes

Der Amazonas ist nicht nur für die dort lebenden Arten von Bedeutung, sondern hat auch entscheidende Auswirkungen auf das globale Klima. Mit über 10% der weltweiten Artenvielfalt beherbergt der Regenwald mehr als 40.000 Pflanzenarten, 2.500 Fischarten, 1.300 Vogelarten und 430 Säugetierarten. Das einzigartige Ökosystem spielt eine vitalen Rolle im Klimasystem unseres Planeten. Dabei ist es wichtig zu bedenken, dass der Amazonas jährlich neuen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bietet, was ihn zu einem der faszinierendsten und schützenswertesten Ökosysteme der Erde macht.

Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass der Amazonas-Regenwald vor ernsthaften Bedrohungen steht. Laut einem Bericht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung könnte der Wald einen Kipppunkt erreichen, wodurch expansive Waldverluste zur Folge wären. Klimafaktoren wie erhöhte Temperaturen, Dürren und Abholzung setzen den Lebensraum erheblich unter Druck. Bis zu 47% des Waldes könnten potenziell betroffen sein, was nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch den globalen Klimaschutz erheblich gefährdet.

Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen

Die Situation im Amazonas erfordert dringende Maßnahmen, um die Abholzung zu stoppen und die Lebensräume wiederherzustellen. Die Identifikation kritischer Umweltgrenzwerte ist essenziell, um künftige Störungen zu vermeiden. Der Amazonas-Regenwald, der als Kohlenstoffsenke fungiert, hat die Fähigkeit, erhebliche Mengen an CO2 zu speichern, was für die Bekämpfung des Klimawandels von entscheidender Bedeutung ist.

Für einen langfristigen Erhalt des Amazonas ist es wichtig, auf nachhaltige Landnutzung und Naturschutzprojekte zu setzen. Initiativen zur Aufforstung und der Schutz bedrohter Tierarten stehen dabei im Mittelpunkt. Nur durch koordinierte Anstrengungen auf lokaler und globaler Ebene kann die umfassende Zerstörung des Amazonas und der Verlust seiner Biodiversität verhindert werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuellen Forschungsergebnisse sowohl die Verletzlichkeit der Tierwelt im Amazonas als auch die kritische Rolle des Regenwaldes für das globale Klima verdeutlichen. Die Herausforderungen sind enorm, und es ist unerlässlich, dass Maßnahmen ergriffen werden, um dieses unvergleichliche Ökosystem zu schützen.

Weitere Details zur Forschung finden Sie in dem Artikel von der Universität Würzburg, sowie Informationen über die Tierwelt in Brasilien von Brasilien Rundreise und die kritische Situation des Amazonas von Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.