Wissenschaft

Faszinierende Entdeckungen durch Umwelt-DNA-Analyse in mittelamerikanischem Klassenzimmer

Die geheime Welt der Umwelt-DNA: Entdeckungen aus der Luft und vom Boden

Im Jahr 2022 führte Nina Garrett von der kanadischen York University in Toronto gemeinsam mit Kollegen eine unkonventionelle Feldstudie in einem Klassenzimmer in Belize durch. Durch den Einsatz von umgebauten Computerlüftern sammelten sie Luftproben, um genetisches Material von verschiedenen Tieren zu identifizieren. Zu ihrer Überraschung entdeckten sie eine Vielzahl an DNA-Spuren, die eine Vielzahl von Arten, darunter Fledermäuse, Wickelbären und sogar Pferde, im Raum nachwiesen. Diese Methode, auch bekannt als Umwelt-DNA oder eDNA, ermöglicht es, Tiere ohne deren physische Fangen zu identifizieren und liefert vielfältige Erkenntnisse über die Artenvielfalt.

Das Konzept der Umwelt-DNA mag auf den ersten Blick wie Sciencefiction erscheinen, aber Experten setzen diese Technik bereits seit den 1990er Jahren ein. Anhand von DNA-Fragmenten aus der Umgebungsluft, Wasser, Kot oder Haaren können Wissenschaftler Tiere identifizieren, ohne sie direkt zu beobachten oder zu fangen. Diese nicht-invasive Methode erlaubt einen genauen Blick auf Tierpopulationen und ihre Verhaltensweisen.

Beispielprojekte zeigen die Vielseitigkeit von eDNA-Analysen. In Kalifornien sammelte der U.S. Forest Service Haarproben von Fischermardern, um genetische Informationen zu analysieren und die Populationsdichte zu überwachen. In Brasilien konnte dank eDNA festgestellt werden, dass im Naturschutzpark der Serra do Mar noch Jaguare lebten, obwohl Kamerafallen keine Aufnahmen der Tiere lieferten. Diese Methode bietet nicht nur Einblicke in die Artenvielfalt, sondern auch in die Bedrohungen, mit denen bestimmte Arten konfrontiert sind.

Die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung der Techniken zur Gensequenzierung machen es möglich, mit minimalen Probenmaterialien präzise genetische Analysen durchzuführen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, um auch seltene Arten zu erforschen und wichtige Erkenntnisse für den Artenschutz zu gewinnen. Trotz potenzieller Herausforderungen wie Kontaminationen und Fehldiagnosen bleibt die Umwelt-DNA eine vielversprechende Methode, um die Geheimnisse der Tierwelt zu entschlüsseln.

Dr. Markus Hoffmann

Lebt in Hannover und ist seit vielen Jahren freier Redakteur für Tageszeitungen und Magazine im DACH-Raum.
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