Wissenschaft

Ältere Blaumeisen dominieren – Neue Erkenntnisse zu Fremdgehen

Die geheime Welt der Blaumeisen: Erforscht - warum ältere Männchen mehr Fremdgeh-Nachwuchs zeugen.

In einer aktuellen Studie wurde festgestellt, dass ältere männliche Blaumeisen beim Fremdgehen erfolgreicher sind als junge Männchen. Forscher aus Bayern und Großbritannien berichten im Fachjournal „PLOS Biology“, dass bei Seitensprüngen von Blaumeisen ältere Männchen häufiger erfolgreich sind als ihre jüngeren Artgenossen. Die Gründe dafür könnten vielfältig sein, darunter eine größere Erfahrung im Kampf um Weibchen, eine höhere Attraktivität oder eine intensivere Investition in das Fremdgehen.

Die Forschungsgruppe, unter der Leitung von Bart Kempenaers am Max-Planck-Institut für biologische Intelligenz in Seewiesen/Pöcking, führte Verhaltensbeobachtungen und DNA-Tests an Blaumeisen durch, die in Nistkästen im Wald brüteten. Die Analyse ergab, dass einjährige männliche Blaumeisen weniger erfolgreich dabei waren, Nachwuchs außerhalb ihrer Partnerschaft zu zeugen. Als mögliche Gründe wurden mangelnde Erfahrung, geringeres Interesse oder unausgereifte körperliche Merkmale diskutiert.

Um die Rolle älterer Männchen bei Fremdgehaktivitäten genauer zu untersuchen, wurden fast alle älteren Männchen aus der Population entfernt und der Bruterfolg der jungen Männchen über einen Zeitraum von 15 Jahren verglichen. Es stellte sich heraus, dass ohne die Konkurrenz durch die älteren Männchen die jungen Blaumeisen erfolgreicher waren, mindestens einen Nachkommen außerhalb ihrer Partnerschaft zu zeugen. Dies deutet darauf hin, dass die Erfolglosigkeit der jungen Männchen unter normalen Umständen auf die übermächtige Konkurrenz älterer Männchen zurückzuführen ist.

Die Forscher spekulieren, dass ältere Männchen aufgrund ihrer größeren Erfahrung und ihrer besseren Kenntnisse des Reviers erfolgreicher sind beim Ausfindigmachen von fremdgehbereiten Weibchen. Dieses Verhalten ist evolutionsbiologisch betrachtet vorteilhaft, da Männchen so die Zahl ihrer Nachkommen erhöhen können, ohne mehr Aufwand für die Brutpflege zu betreiben. Für die Weibchen bietet es die Möglichkeit, die genetische Vielfalt ihres Nachwuchses zu erhöhen, was insbesondere wichtig ist, da die Überlebensrate von Blaumeisen im Mittel nur zwei bis drei Jahre beträgt. Nur unter optimalen Bedingungen sind in der Natur mehr als zehn Jahre möglich.

Lebt in Hannover und ist seit vielen Jahren freier Redakteur für Tageszeitungen und Magazine im DACH-Raum.
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