Am 17. März 2025 hat die syrische Regierung unter Interimspräsident Ahmed al-Sharaa eine bedeutende Ankündigung gemacht: die Einführung einer freien Marktwirtschaft. Diese Entscheidung kommt nach über fünf Jahrzehnten von Misswirtschaft und Korruption, die das Land unter der Herrschaft von Bashar al-Assad geprägt haben. Unternehmer wie Mahmoud Anis, der eine Textilfirma in Aleppo leitet, zeigen sich optimistisch angesichts dieser Wende, kämpfen jedoch weiterhin mit unzuverlässiger Energieversorgung und hohen Treibstoffkosten. Anis berichtet von einer extrem hohen Belastung durch Strompreise, die mit 24 Cent pro kWh im Vergleich zu anderen arabischen Ländern überproportional sind, während ähnliche Haushalte in Ägypten nur 5 Cent pro kWh zahlen müssen.
Die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung ist ebenfalls von den internationalen Rahmenbedingungen abhängig. Die EU und die USA haben zwar einige Sanktionen gegen Syrien teilweise aufgehoben, die dennoch stark auf die Wiederaufbau- und Erholungsbestrebungen des Landes wirken. Am 24. Februar haben die EU-Außenministerinnen und -minister in Brüssel beschlossen, die Sanktionen in Bereichen wie Energie und Verkehr teilweise auszusetzen. Dies ist entscheidend, da diese Sektoren für den Wiederaufbau Syriens unerlässlich sind. Die syrische Zentralbank sowie mehrere Geschäftsbanken und Syrian Arab Airlines wurden von der Sanktionsliste genommen, was den Unternehmen in Syrien erleichtert, ihre geschäftlichen Aktivitäten zu fördern, auch wenn die Sanktionen jederzeit wieder aufgelegt werden können.
Globale Herausforderungen und Sanktionen
Ein zentrales Problem bleibt jedoch die Unsicherheit in der Sicherheitslage. Unternehmer in Aleppo betonen die Notwendigkeit stabiler Verhältnisse, um Investitionen und Produktion anzukurbeln. Der Berater der syrischen Zentralbank, Mokhles al-Nazar, hat die Bedeutung von Stromsubventionen für Unternehmen hervorgehoben. Leider sieht es auch um die Personalsituation düster aus, da viele gut ausgebildete Fachkräfte ins Ausland geflüchtet sind. In den letzten Monaten sind zwar Zehntausende Syrer aus dem Ausland zurückgekehrt, doch qualifizierte Rückkehrer zögern, da sie erst die weitere Entwicklung der Situation abwarten wollen.
Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind nicht zu unterschätzen. Nach Schätzungen benötigt die syrische Wirtschaft über 50 Jahre, um das Niveau vor dem Bürgerkrieg wieder zu erreichen. Diese Ansicht wird von der UN geteilt, die auch festgestellte, dass Syrien für seinen Wiederaufbau zwischen 250 und 1 Billion US-Dollar benötigen wird. Die geopolitischen Interessen der relevanten Akteure sind dabei oft unvereinbar, was die langfristigen Planungen zur Stabilisierung des Landes zusätzlich erschwert.
Komplexe politische Umstände
Die aktuellen Entwicklungen stehen auch im Kontext internationaler Konflikte und der anhaltenden Präsenz von militärischen Einheiten, darunter französische Spezialkräfte im Kampf gegen den IS. Kurdische Streitkräfte und andere Rebellenformationen, wie Hay’at Tahrir al-Sham, sind jedoch von den Verhandlungen, die für eine mögliche politische Lösung notwendig wären, ausgeschlossen. Zudem gab es in der Vergangenheit zahlreiche Berichte über Menschenrechtsverletzungen und Vernachlässigung humanitärer Hilfe durch die syrische Regierung.
Mit der Verabschiedung von Resolution 2254 durch den UN-Sicherheitsrat wird ein klarer politischer Prozess für die Lösung des Syrienkonfliktes gefordert. Währenddessen bleibt der Appell an die internationale Gemeinschaft dringlich, sich in den Wiederaufbau Syriens einzubringen und die humanitären Bedürfnisse der syrischen Bevölkerung zu unterstützen.