Vor der Küste von Hull, England, kam es am Montag zu einer dramatischen Kollision zwischen dem Frachter „Solong“ und dem US-Öltanker „Stena Immaculate“. Diese Zusammenstoß führte zu erheblichen Schäden an den Schiffen, wie Luftaufnahmen zeigen. Der Frachter „Solong“ weist eine ausgebrannte Schiffsbrücke, verkohlte Container und einen deformierten Bug auf. Der Öltanker hingegen hat ein großes Loch an der Seite, was auf die heftige Gewalt der Kollision hinweist. Bei dem Vorfall wurden 36 Seeleute gerettet, während ein Besatzungsmitglied des „Solong“ vermisst wird. Ein 59-jähriger Kapitän des Frachters wurde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung festgenommen.
Die genauen Ursachen der Kollision sind zurzeit noch unklar. Laut dem Verband Deutscher Reeder (VDR) sind Sicherheitsmanagementsysteme entscheidend, die von Reedereien betrieben und regelmäßig überprüft werden müssen. Vor dem Unfall gab es bereits Hinweise auf Mängel am Frachter, welche bei einer Kontrolle im Juli 2022 in Dublin festgestellt wurden. Diese umfassten unter anderem nicht lesbare Notfallkommunikationen, jedoch waren diese Mängel nicht gravierend genug, um das Auslaufen des Schiffes zu untersagen.
Umweltbedenken und Entwarnung
Das Unglück hat nicht nur menschliche Tragödien zur Folge, sondern wirft auch ernsthafte Umweltprobleme auf. Kerosin lief ins Meer, und die britische Küstenwache überwacht das Gebiet aus der Luft, um mögliche Umweltverschmutzungen zu kontrollieren. Besorgte Stimmen befürchten, dass die Verschmutzung eine Gefahr für Vögel und Robben darstellen könnte. Glücklicherweise geben die ersten Berichte Entwarnung: Die Auswirkungen auf die Umwelt sind weniger gravierend als befürchtet, da der Großteil des Kerosins entweder verdunstet oder verbrannt ist.
In einem weiteren Rahmen hat die Europäische Agentur für Maritime Sicherheit (EMSA) am 4. Februar 2025 einen Bericht veröffentlicht, der die Klima- und Umweltauswirkungen der Schifffahrt untersucht. Laut diesem Dokument sind die Schwefelemissionen seit 2014 um 70% reduziert worden, jedoch nehmen andere Umweltbelastungen zu. Die Schifffahrt bleibt der größte Verursacher von SOx-Emissionen im Verkehrssektor der EU. Die CO2-Emissionen sind seit 2015 jährlich gestiegen und erreichten 2022 137,5 Millionen Tonnen, was einem Anstieg von 8,5% im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
OceanCare hat die EU aufgefordert, die Erfolge bei der Schwefelreduzierung als Grundlage für zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der marinen Artenvielfalt zu nutzen. Ab dem 1. Mai 2025 wird das Mittelmeer als Emissionskontrollgebiet (SECA) ausgewiesen. Die Organisation plant, Forderungen zu einer Geschwindigkeitsreduzierung von Schiffen als kosteneffektivste Maßnahme zur Reduzierung der Umweltauswirkungen auf der kommenden UN-Ozeankonferenz im Juni 2025 vorzustellen.
Das Unglück des „Solong“ und „Stena Immaculate“ ist ein erneuter Weckruf an die maritime Industrie, nicht nur vor den Gefahren menschlichen Versagens zu warnen, sondern auch die Verantwortung zu übernehmen, die Umwelt zu schützen und die Sicherheit in der Schifffahrt zu gewährleisten. In Anbetracht der anhaltenden Herausforderungen verlangt die Situation nach zukunftsorientierten Lösungen und verbesserten Sicherheitsstandards in der Schifffahrt.
Für weitere Informationen zur Kollision und den Umweltauswirkungen der Schifffahrt siehe Remszeitung, NOZ und OceanCare.