In einer überraschenden Entdeckung haben Forschende festgestellt, dass Kalifornische Ziesel (Otospermophilus beecheyi), die üblicherweise für ihre pflanzliche Ernährung bekannt sind, auch aktiv Wühlmäuse jagen, töten und fressen. Die Ergebnisse der Studie, die im Fachblatt „Journal of Ethology“ veröffentlicht wurden, basieren auf Beobachtungen, die über zwölf Jahre hinweg in einem Park im Westen der USA dokumentiert wurden. Insgesamt konnten 74 Jagdfälle aufgezeichnet werden, was Biologen wie Jennifer E. Smith von der University of Wisconsin-Eau Claire, die das Langzeitprojekt leitet, überraschte. Ziesel gelten als weit verbreitet und sind in der Nähe von Menschen häufig zu beobachten.
Das Team stellte fest, dass die Jagd auf Wühlmäuse nicht nur seltene Vorfälle sind, sondern in vielen Fällen von Zieseln in jeder Altersklasse durchgeführt werden. Bei fast 50% der beobachteten Begegnungen jagte das Kalifornische Ziesel aktiv Wühlmäuse. Über 50% der Jagdversuche waren dabei erfolgreich, wobei die Tiere durch Bisse zum Ziel kamen. Neben Wühlmäusen fressen Ziesel auch Insekten, Vogeleier, Küken, Kaninchen und sogar Fische, was sie zu opportunistischen Allesfressern macht.
Überraschende Ernährungsgewohnheiten
Die Forscher um Smith und ihre Kollegin Sonja Wild waren anfangs skeptisch, als sie von dem Jagdverhalten hörten. Wild betont, dass sie anfangs kaum glauben konnte, dass Ziesel Wühlmäuse jagen, bis sie sich Videos der Ereignisse ansah. Jeniffer E. Smith hebt die Bedeutung der Feldforschung hervor und merkt an, dass digitale Technologie nicht das Beobachten in der Natur ersetzen kann. Dieses Jagdverhalten ist besonders im Sommer zu beobachten, wenn die Wühlmauspopulation ansteigt, was den Zieseln als Nahrungsquelle zugutekommt. Laut Smith könnte das ungewöhnliche Verhalten ein Zeichen für die Verhaltensflexibilität sein, die den Zieseln hilft, in sich verändernden menschlichen Umgebungen zu überleben.
Die überraschenden Beobachtungen werfen auch Fragen auf über die genetischen und sozialen Aspekte des Jagdverhaltens. John Koprowski, ein Experte für Hörnchen, zeigt sich erstaunt über die Fähigkeiten der Ziesel. Es wird vermutet, dass das Jagdverhalten in erster Linie genetisch verankert sein könnte, anstatt durch soziale Interaktion erlernt zu werden. Dies könnte darauf hinweisen, dass die Ziesel eine Evolution der Nahrungsaufnahme durchlaufen haben, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen, insbesondere bei Nahrungsmangel während des Sommers.
Einblicke in die ökologische Bedeutung
Die Studie beleuchtet nicht nur das unerwartete Raubtierverhalten der Ziesel, sondern bietet auch wertvolle Erkenntnisse zu den ökologischen Auswirkungen. Während das Jagdverhalten der Ziesel an sich von Interesse ist, sind die langfristigen Folgen für die Ökosysteme, in denen sie leben, noch weitgehend unerforscht. Die Forscher planen, im nächsten Sommer weitere Untersuchungen durchzuführen, um das Jagdverhalten, Lern- und Lehrmethoden sowie die Wechselwirkungen mit anderen Arten besser zu verstehen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Erdhörnchen nicht nur Pflanzenfresser sind, sondern in bestimmten Situationen auch als Fleischfresser agieren können, was das Verständnis ihrer Rolle im ökologischen Gleichgewicht erweitert.
Insgesamt erweitert die Studie unser Wissen über die Ernährungsgewohnheiten und das Verhalten von Kalifornischen Zieseln erheblich und könnte die Perspektive auf die Interaktion zwischen Tierarten in veränderten Lebensräumen verändern. Remszeitung berichtet von den Erstaunlichkeiten dieser Forschung und den natürlichen Verhaltensweisen der Ziesel. Ergänzende Informationen finden sich auf MDR.de und t-online.de.