Selina Grotian, die 19-jährige Biathletin aus Deutschland, steht kurz vor ihrem Auftritt beim Heim-Weltcup im thüringischen Oberhof. Sie hat in der vergangenen Saison eine beeindruckende Leistung gezeigt, trotz negativer Erfahrungen, die sie überwinden musste. Grotian blickt auf schwierige Momente im Januar 2024 zurück, als sie im Sprint in Oberhof nach sieben Strafrunden nur Platz 45 belegte und daraufhin in den IBU-Cup versetzt wurde. Diese Degradierung empfand sie als „Schlag ins Gesicht“, doch sie hat sich der Herausforderung gestellt und sich in den letzten Wochen gut erholt.

Im Vorfeld des Wettkampfs freut sich Grotian besonders auf die Stimmung ihrer Fans, die sie als beeindruckend beschreibt. Nach ihrem ersten Weltcupsieg im Dezember 2024 will sie am Donnerstag um 14.20 Uhr (Übertragung auf ZDF und Eurosport) ihr Können im Sprint unter Beweis stellen. Grotian betont, dass sie trotz ihrer Erfolge den Fokus auf kontinuierliche Leistung und Freude am Sport legt.

Auszeichnungen und Erfolge

Selina Grotian wurde kürzlich mit der Goldenen Henne als „Aufsteigerin des Jahres“ ausgezeichnet. Der Preis wird seit 28 Jahren verliehen und würdigt ihre herausragenden Leistungen, einschließlich vier Goldmedaillen bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Kasachstan. Diese Auszeichnung fand rund einen Monat vor dem Beginn der neuen Biathlon-Weltcup-Saison in Oslo statt, wo sie erstmals im Weltcup startete. Ihr Trainer und Bruder Tim unterstützt sie dabei, konstant gute Leistungen zu erzielen, was besonders wichtig für ihre Entwicklung ist.

Einfluss der Zuschauer und mentale Stärke

Die Stimmung während der Wettkämpfe hat nicht nur auf die Athletinnen und Athleten selbst einen Einfluss, sondern auch auf die Leistung. Eine aktuelle Studie untersucht die Auswirkungen von Zuschauern auf die Leistung von Elite-Biathleten und zeigt geschlechtsspezifische Effekte. Die Forschung legt nahe, dass eine begeisterte Zuschauerschaft – wie sie in Oberhof zu erwarten ist – die Leistung der Athleten positiv beeinflussen kann. Die Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift „Psychology of Sport and Exercise“ veröffentlicht und in verschiedenen Medien aufgegriffen, was die Relevanz dieses Themas unterstreicht.

Insgesamt hat Grotian trotz persönlicher Rückschläge, wie dem Verlust ihrer Großmutter und ihrer Hündin Nika, ihre mentale Stärke unter Beweis gestellt. Die junge Athletin bleibt bescheiden und setzt sich nicht zu große Ziele, sondern lässt die Herausforderungen auf sich zukommen. Sie hat gelernt, Rückschläge als Entwicklungschance zu betrachten, was ihr bei der letzten Weltmeisterschaft in Nove Mesto half, den vierten Platz im Einzel zu erreichen und mit der Staffel Bronze zu gewinnen. Ihr Sportdirektor Felix Bitterling sieht in ihr eine vielversprechende Athletin für die Zukunft, die den deutschen Biathlon maßgeblich prägen könnte.