Am 12. März 2004 stürmten Polizeibeamte ein Anwesen in Fresno, Kalifornien, und entdeckten eine grausame Szene: Neun Leichen, allesamt mit einem gezielten Schuss ins Auge getötet. Der mutmaßliche Täter, Marcus Wesson, saß regungslos im Streifenwagen vor der Tür. Wesson, der 1946 in Kansas geboren wurde, wuchs in einem strengen religiösen Rahmen auf, seine Mutter war Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten und sein Vater ein gewalttätiger Alkoholiker. Laut t-online.de entwickelte er schon früh einen Hang zur Kontrolle und war von Polygamie besessen.

Im Laufe seiner Lebensgeschichte begann Wesson in den 1970er-Jahren eine Beziehung mit der verheirateten Rosemary Solorio und wandte sich bald ihrer Tochter Elizabeth zu, die er mit nur acht Jahren als „seine Auserwählte“ bezeichnete. Elizabeth wurde mit 15 Jahren schwanger, und Wesson heiratete sie 1974 offiziell. In den folgenden Jahren schnitt Wesson seine Familie systematisch von der Außenwelt ab und unterrichtete seine Kinder selbst.

Das Leben in Isolation

Die Lebensbedingungen der Familie waren erschreckend. Wesson misshandelte seine Kinder und predigte eine bizarre Religion, in der er sich selbst als Nachfolger von Jesus Christus sah, den er als Vampir bezeichnete. Die Kinder lebten in einem nahezu abgeschotteten Rahmen, durften das Haus kaum verlassen und schliefen in Särgen. Laut Wikipedia hatten die Kinder keine offiziellen Geburtsurkunden, was sie weitgehend von der Außenwelt isolierte.

Der Missbrauch, den die Kinder erlitten, war geprägt von Schikanen und extremem psychischem Druck. Wesson zwang seine Töchter und Nichten, ihn als ihren Mann anzuerkennen, und zeugte mit ihnen zahlreiche Kinder. In einem erschütternden Kontext haben Berichte über organisierten sexuellen Kindesmissbrauch festgestellt, dass solche Systeme häufig durch ideologische Rahmenbedingungen wie Sekten geprägt sind. Dies gilt auch für die Praktiken, die Wesson seinen Kindern auferlegte, wie in der PubMed-Studie diskutiert.

Der schreckliche Vorfall

Im Jahr 2004 kam es schließlich zu einem dramatischen Wendepunkt. Zwei ältere „Ehefrauen“ von Wesson, die verzweifelt ihre Kinder befreien wollten, riefen die Polizei. Bei dem folgenden Einsatz dauerte es einige Zeit, bis Wesson die Kinder herausgab, was zu einem Schusswechsel führte. Bei der Durchsuchung des Hauses fanden die Beamten die neun Toten, darunter zwei Töchter und sieben Enkelkinder.

Wesson wurde im Jahr 2005 wegen neunfachen Mordes und 14-fachem Missbrauch verurteilt und erhielt die Todesstrafe, die später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Einige überlebende Kinder stehen bis heute in Kontakt mit ihm, während andere versuchen, ein neues Leben außerhalb des grausamen Erbes aufzubauen.

Die Vorfälle rund um Marcus Wesson werfen ein schockierendes Licht auf das Thema sexuellen Missbrauchs und die verheerenden Auswirkungen auf die betroffenen Opfer. Die Dunkelheit, die seine Familie umgab, ist ein Beispiel für das, was in relativ nahen Verwandtschaften geschehen kann, besonders wenn sie von einem tyrannischen Einfluss geprägt sind.