Libuše Jarcovjáková, eine 1952 in Tschechien geborene Fotografin, hinterlässt mit ihrer Kunst einen beeindruckenden Einfluss auf die Welt der queer-fotografischen Dokumentation. Mit ihren eindringlichen Bildern, die die vielfältigen Facetten des Lebens und der Identität einfangen, wird sie nicht ohne Grund mit der renommierten Nan Goldin verglichen. Ihr Lebenswerk und die Suche nach Identität stehen im Mittelpunkt des Filmporträts „Noch bin ich nicht, wer ich sein möchte“, das von Klára Tasovská inszeniert wurde und eine Laufzeit von 90 Minuten hat.
Der Film, der auf der Berlinale im vergangenen Jahr seine Premiere feierte, bietet einen tiefen Einblick in den Alltag der Fotografin und in die Gesellschaft, aus der sie kommt. Jarcovjáková behandelt in ihrem Schaffen unterschiedlichste Themen: von der Arbeit in einer Druckerei über die Roma-Community bis hin zu Selbstporträts, die die Komplexität ihrer Identität zeigen. Ihr mutiger Umgang mit sensiblen Themen wird besonders interessant, da sie aufgrund von Problemen mit der Polizei wegen ihrer Bilder aus einem Schwulenclub gezwungen war, zum Schein einen Mann zu heiraten und nach West-Berlin zu ziehen.
Über die Ausstellung „T-Club – Just Like in Paradise“
Aktuell ist die Ausstellung „T-Club – Just Like in Paradise“ im KVOST, Leipziger Str. 47, in Berlin-Mitte zu sehen. Diese zeigt eine Auswahl von Jarcovjákovás Fotografien, die während ihrer Zeit in einem Prager Club entstanden sind. Die Ausstellung ist von Mittwoch bis Samstag, jeweils von 14 bis 18 Uhr, geöffnet und läuft bis zum 19. April.
In West-Berlin fand Jarcovjáková nicht nur einen neuen Lebensmittelpunkt, sondern auch die Möglichkeit, ihre künstlerische Laufbahn weiterzuverfolgen. Dort arbeitete sie als Putzkraft und dokumentierte den Mauerfall mit ihrer Kamera. Später zog sie nach Tokio, wo sie als erfolgreiche Modefotografin tätig war.
Film und Fotografie als Ausdrucksformen
In ihrem aktuellen Filmprojekt nutzt Jarcovjáková eine Vielzahl von Bildern, die in einer Montage aus Zehntausenden von Aufnahmen zusammengestellt sind. Diese beruhen auf ihren Tagebüchern und dienen als erzählerisches Fundament, um ihre komplexe Reise und die Vielfalt ihrer Darstellungen sichtbar zu machen. Damit trägt sie zur erweiternden Diskussion über queer-fotografische Themen bei, die nicht nur Klischees hinterfragt, sondern einen neuen, vielschichtigen Blick auf queer Leben und Identität eröffnet, wie auch in einem Artikel auf spiegel.de angemerkt wird.