In den letzten Monaten hat die US-Regierung verstärkte Abschiebeaktionen durchgeführt, die massive Auswirkungen auf Mittelamerika haben. Viele Migranten, die zuvor einen klaren Zielkurs Richtung USA verfolgten, kehren nun resigniert auf ihren Fluchtrouten oder suchen nach neuen Routen und Zielländern. Politologin Eunice Alma Rendón beobachtet, dass die Rückkehrer oft traumatisiert sind, und macht den Anstieg an Drohungen sowie die fremdenfeindliche Rhetorik in den USA dafür verantwortlich. Unterdessen hat Mexiko, als Teil eines Abkommens mit den USA, den Flüchtlingsstrom deutlich reduziert, um hohe Zölle zu vermeiden. Mexiko wird zunehmend als Teil der Mauer zwischen Mittelamerika und den USA wahrgenommen, was Migranten dazu drängt, alternative Routen, wie etwa über Kolumbien nach Spanien, zu erwägen.

Der Rückgang der Migranten an der US-Grenze ist für viele gefährlich. Venezolanische Flüchtlinge sind besonders betroffen, da über sieben Millionen von ihnen vor der Diktatur fliehen mussten. Viele kehren um oder verlassen sogar die USA freiwillig, nachdem sie traumatische Erlebnisse auf ihrer Reise hatten. Beispiele wie der Migrant Estéban, der nach Kolumbien zurückkehrte, oder Vicente, der von einem bedrohlichen Bootstransport berichtet, verdeutlichen die gravierenden Herausforderungen, denen sich die Migranten gegenübersehen. Zudem zeigt der Fall von Jordis Castillo, der an der Grenze zwischen Honduras und Nicaragua festgehalten wird und von seiner Angst vor Abschiebung erzählt, die gefährliche Lage vieler Migranten in der Region.

Rassismus und soziale Spannungen

In Mexiko, das traditionell Flüchtlingen geholfen hat, kippt die Stimmung. Immer mehr Migranten suchen Zuflucht in den Städten, was zu Rassismus und körperlicher Gewalt gegen sie führt. Tiobeli Cargo, ein Kubaner, stellt fest, dass er Mexiko mittlerweile als bessere Option sieht, trotz der Herausforderungen, die er dort erlebt. Die angespannte Situation illustriert, wie schwierig die Lebensbedingungen für Migranten geworden sind und wie schnell sich die öffentliche Meinung ändern kann.

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump, die seit seiner Amtseinführung am 20. Januar weiterhin auf verstärkte Abschiebungen drängt, hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Migration zu verlangsamen. Unter dem sogenannten „Lakes Riley Act“ können Migranten jetzt auch für geringfügige Vergehen in Einwanderungshaftzentren festgehalten werden. In der ersten Woche von Trumps zweiter Amtszeit wurden bereits knapp 2400 Migranten festgenommen. Die US-Grenzschutzbehörde ICE verfolgt dabei eine Offensive, die auch vor Schulen, Kirchen und Krankenhäusern nicht haltmacht.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen

Die brutalen Abschiebungsmaßnahmen werden von vielen als Symbolpolitik wahrgenommen. Es gibt weit verbreiteten Widerstand gegen die Abschiebepolitik, besonders in demokratisch regierten Bundesstaaten. Die katholischen Bischöfe in den USA haben Bedenken über den gefährlichen Umgang mit Einwanderern geäußert. Währenddessen zeigen die eingeschränkten Möglichkeiten für Migranten, Arbeiten zu finden, auch die wirtschaftlichen Folgen, die diese Maßnahmen mit sich bringen können.

Zusätzlich kritisiert Brasilien die menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen Abschiebungen durchgeführt werden. Obwohl die Kosten für die Abschiebungen zur Zeit in einem hohen zweistelligen bis dreistelligen Milliardenbereich geschätzt werden, bleibt unklar, wie sich diese Maßnahmen auf Trumps Beliebtheit auswirken. Sein internationaler Ruf leidet ebenfalls, vor allem aufgrund der negativen Konsequenzen seiner Politik für Partnerländer. Bisher sind keine Anzeichen zu erkennen, dass die harten Abschiebepraktiken enden könnten.

Die Situation der Migranten bleibt angespannt und unsicher, sowohl in den USA als auch in ihren Herkunftsländern. Mit jedem weiteren Tag, an dem die Politiken der US-Regierung und die Reaktionen Mexikos sich verschärfen, wird die Lage für viele Migranten prekärer.

Für detailliertere Einblicke zur Thematik werfen Sie einen Blick auf die Berichterstattung von Tagesschau, DW und 20min.ch.