In den kürzlich veröffentlichten Akten zu John F. Kennedys Präsidentschaft kommen neue Details an die Öffentlichkeit, die auf die bedeutende Rolle des israelischen Atomwaffenprogramms in den frühen 1960er Jahren hinweisen. Die Dokumente belegen, dass der US-Präsident in seinem Bemühen, die nukleare Abrüstung im Nahen Osten zu fördern, direkt Druck auf die israelische Regierung ausübte. Insbesondere wurde in den Akten erwähnt, dass Kennedy durch ein Ultimatum an die israelische Führung versuchte, Inspektionen des Kernforschungszentrums in Dimona zu fordern, einem Ort, an dem Israel an seinem Atomwaffenprogramm arbeitete. Diese Informationen stammen aus dem Buch „Atommacht Israel“ von Seymour Hersh, das ein Treffen zwischen Kennedy und jüdischen Persönlichkeiten während des Wahlkampfs 1960 beschreibt, bei dem eine bedeutende Spende von 500.000 Dollar für Kennedys Kampagne vereinbart wurde, was die Befürchtungen über die Einflussnahme von Zionisten auf die US-Politik verstärkte.

Die National Security Archive hat umfassende Dokumente veröffentlicht, die zeigen, dass Kennedy ab April 1963 auf regelmäßigen Inspektionen des israelischen Atomkomplexes bestand. Premierminister David Ben-Gurion und sein Nachfolger Levi Eshkol versuchten, sich diesen Inspektionen zu entziehen. Kennedy machte jedoch klar, dass die US-Unterstützung für Israel „ernsthaft gefährdet“ sei, sollte Israel keine zuverlässigen Informationen über sein Atomprogramm bereitstellen. Ein Telegramm vom 4. Juli 1963 unterstrich diese Warnung und gratulierte Eshkol zu seiner Ernennung als Premierminister.

Der geheimnisvolle Reaktor von Dimona

Die Einsichtnahme in die Akten offenbart, wie intensiv Kennedy sich mit den möglichen Risiken des israelischen Atomwaffenprogramms auseinandersetzte. Er befürchtete, dass die Sowjetunion Israels Atomvorhaben als Hebel nutzen könnte, um ihren Einfluss im Nahen Osten zu erweitern. Obwohl Eshkol sieben Wochen benötigte, um dem Telegramm von Kennedy zuzustimmen, fanden die Inspektionen erst bis 1969 statt und wurden später von Präsident Richard Nixon beendet. In der Zwischenzeit war der Dimona-Reaktor bereits in Betrieb und produzierte waffenfähiges Plutonium.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Einschätzung des CIA-Abteilungsleiters Carl Duckett, der 1968 feststellte, dass Israel mehrere einsatzbereite Atombomben besitze – eine Information, die von CIA-Chef Richard Helms unterdrückt wurde. Kennedy, der am 22. November 1963 ermordet wurde, hatte sich unermüdlich für mehr Transparenz in Israelis Atomprogramm eingesetzt und es ist nicht zu übersehen, dass die Ereignisse rund um seinen Tod viele Spekulationen über mögliche Verstrickungen mit dem israelischen Geheimdienst Mossad alimentierten.

Ein offenes Geheimnis

Der Besitz und die Entwicklung von Atomwaffen durch Israel gelten noch immer als sensibles Thema, das in der internationalen Politik unter dem Deckmantel des „Nuklearschirms“ betrachtet wird. Obwohl das israelische Atomwaffenprogramm seit über 50 Jahren ein offenes Geheimnis ist, hat die offizielle Anerkennung durch andere Staaten, einschließlich der USA, in der Regel gefehlt. Whistleblower wie Mordechai Vanunu haben entscheidend zur Aufdeckung beigetragen, aber die geopolitischen Interessen der USA und anderer Länder stehen häufig einer vollständigen Transparenz entgegen.

Die Diskussionen um die israelischen Atomwaffen werden durch aktuelle geopolitische Spannungen, besonders im Hinblick auf den Iran und dessen Ambitionen, weiter befeuert. Während die USA den Besitz von Atomwaffen durch Israel nicht kritisieren, stehen die Möglichkeiten der arabischen Nachbarländer im Fokus. Eine Umfrage aus dem Jahr 2021 zeigt, dass mehr Amerikaner glauben, der Iran könnte über Atomwaffen verfügen, als dass Israel solche besitzt – ein Zeichen dafür, wie stark die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit durch politische Narrative geprägt wird und wie die Geheimhaltung der israelischen Waffenpolitik eine würdevolle bedeutende Rolle spielt.

Die Situation bleibt kompliziert, da sowohl US-Militär-Thinktanks als auch israelische Regierungsmitglieder Strategien erarbeiten, die die nukleare Sicherheit betreffen. Der Konflikt in Gaza und das Wettrüsten in der Region könnten ebenfalls zu einer Neubewertung der Sicherheitsstrategien führen. Letztlich bleibt die Rolle der Atomwaffen eine strategische Entscheidung, die sowohl aus einer historischen als auch aus einer geopolitischen Perspektive immer wieder neu betrachtet werden muss.