Die ehemalige Skisprung-Weltmeisterin Anna Hollandt hat die Gründe für ihre längere Auszeit aus dem Weltcup offenbart. In einem Instagram-Post erläuterte die 28-Jährige, dass sie sich in einer schweren mentalen Krise befinde und Abstand zur Sportwelt genommen habe, um an sich zu arbeiten. Diese Entscheidung fiel nach einem enttäuschenden Verlauf im Januar 2023, als sie mit schlechten Ergebnissen zu kämpfen hatte. Hollandt erklärte, dass sie sich immer tiefer in eine mentale Krise hineinreite und an ihrem Können zweifle. Trotzdem möchte sie nicht mit dem Skispringen aufhören und plant, gestärkt aus dieser Phase hervorzugehen. Dabei geht sie einen steinigen Weg und setzt sich mit dem Hashtag #mentalhealthmatters für die Sichtbarkeit psychischer Gesundheit ein, was für sie von großer Bedeutung ist.
Hollandt erhielt viel Zuspruch von Kolleginnen wie Eva Pinkelnig und Pauline Eichhorn, die ihre Entscheidung, offen über psychische Probleme zu sprechen, unterstützt haben. Während der Weltmeisterschaft 2023 in Planica nutzte sie die Bühne, um über ihre Herausforderungen zu sprechen und für einen offenen Umgang mit psychischen Themen zu plädieren. Neben dem Sport setzt sie sich ebenfalls dafür ein, das Tabuthema Regelschmerzen in der Gesellschaft zu enttabuisieren. Ihr mutiger Schritt, über ihre mentale Gesundheit zu sprechen, geschieht in einem Kontext, in dem die Bedeutung mentaler Gesundheit im Spitzensport zunehmend in den Fokus rückt.
Die Herausforderungen im Sport
Die mentale Gesundheit von Athleten hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Studien zeigen, dass 13 bis 20 Prozent der Leistungssportler im Laufe ihres Lebens an Depressionen leiden. Zudem geben neuere Erhebungen an, dass 19 Prozent der aktiven Athleten mit Alkoholmissbrauch und bis zu 34 Prozent mit Angststörungen oder Depressionen kämpfen. Die psychische und physische Gesundheit sind eng miteinander verknüpft, sodass psychische Symptome das Risiko für körperliche Verletzungen erhöhen können. In der Leistungssportmedizin bleibt die mentale Gesundheit jedoch oft ein Stiefkind, und viele Athleten nehmen hohe körperliche sowie psychische Risiken in Kauf.
Die internationale und deutsche Sportmedizin hat erkannt, dass der Umgang mit der mentalen Gesundheit Verbesserungen benötigt. Anhand publikationsbasierten Vergleichen, wie in der Pubmed-Datenbank, wird deutlich, wie wenig Raum dem Thema „Sport und psychische Störungen“ gewidmet wird im Vergleich zu Verletzungen. Oft wird die mentale Gesundheit der Athleten vernachlässigt, wobei insbesondere in unteren Leistungsklassen und im Nachwuchs nicht genügend Unterstützung bereitgestellt wird. Ein bio-psycho-sozialer Ansatz wird selten verfolgt, und die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen stellt ein großes Problem dar. Viele Sportler haben Angst, über ihre Schwierigkeiten zu sprechen, da sie befürchten, als schwach angesehen zu werden.
Wie in der Sportärztezeitung berichtet wird, ist es entscheidend, dass Athleten über die Möglichkeiten der mentalen Unterstützung informiert werden und regelmäßige Screenings durchgeführt werden, um ihre mentale Gesundheit zu fördern. Trotz der Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, kann die Unterstützung durch Fachleute in der Sportpsychologie zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen und dabei helfen, psychischen Erkrankungen vorzubeugen.
Anna Hollandts mutiger Schritt könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, das Bewusstsein für die mentale Gesundheit im Sport zu schärfen und weitere Athleten zu ermutigen, ihre Herausforderungen offen anzusprechen.