Ein ernsthafter Vorfall hat die südafrikanische Forschungsstation Sanae IV in der Antarktis erschüttert. Berichten des Merkur zufolge wird ein Teammitglied beschuldigt, einen Kollegen körperlich angegriffen und mit dem Tod bedroht zu haben. Diese erschreckenden Vorfälle führten zu einem „Klima der Angst und Einschüchterung“ innerhalb der neunköpfigen Crew, die unter extremen Bedingungen leidet.

Die Temperaturen an der Station schleifen bis zu minus 23 Grad und die monatelange Isolation in beengten Wohn- und Arbeitsverhältnissen tragen zu den Spannungen bei. Die Teilnehmer dieser Expedition sind verpflichtet, strenge psychologische und medizinische Tests zu durchlaufen, um ihre Eignung für die schwierigen Bedingungen zu überprüfen. Laut Tagesspiegel wurden die Vorfälle bereits am 27. Februar gemeldet, als ein Teammitglied in einer E-Mail von körperlicher Gewalt und sexueller Belästigung berichtete. Der mutmaßliche Täter soll zuvor in eine Auseinandersetzung mit dem Teamleiter verwickelt gewesen sein, was auslöser für seinen aggressiven Ausbruch war.

Reaktionen und Maßnahmen

Das südafrikanische Ministerium für Forstwirtschaft, Fischerei und Umwelt prüft die Situation und hat bereits einen langfristigen Interventionsprozess zur Schaffung eines gesunden Arbeitsumfelds eingeleitet. Es wird täglich Kontakt mit Spezialisten zur Crew gehalten, um die psychische Gesundheit zu unterstützen. Trotz der ernsten Vorwürfe sieht das Ministerium derzeit keinen Anlass für eine Evakuierung der Teammitglieder, da die Wetterbedingungen weiterhin extrem herausfordernd sind und eine Rückkehr frühestens in zwei Wochen möglich sein wird.

Die Vorfälle sind nicht isoliert. Eine Studie von Associated Press aus dem Jahr 2023 zeigt, dass sexuelle Belästigung auf Forschungsstationen in der Antarktis weit verbreitet ist. An der US-amerikanischen Forschungsbasis McMurdo gaben mehr als die Hälfte der befragten Frauen an, Opfer sexueller Übergriffe oder Belästigungen gewesen zu sein. Ein besorgniserregendes Bild entsteht, wenn man bedenkt, dass 59 Prozent der Frauen in der Antarktis-Station Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen oder Belästigungen gemacht haben.

Psychologische Belastung und kognitive Auswirkungen

Die extremen Umweltbedingungen in der Antarktis wirken sich nicht nur auf das soziale Miteinander in der Crew aus, sondern haben auch Auswirkungen auf die mentale Leistungsfähigkeit. Eine Studie, die neun Probanden über 14 Monate begleitete, zeigt, dass die kognitiven Fähigkeiten, insbesondere die Konzentration und das Gedächtnis, während und nach dem Aufenthalt in isolierten, extremen Bedingungen negativ beeinflusst werden können. Wenige Reize und lange Isolation können dazu führen, dass insbesondere der Prozentsatz des Wachstumsfaktors BDNF im Gehirn abnimmt, was sich negativ auf das Lernen und Gedächtnis auswirkt, heißt es in einem Bericht von Scinexx.

Die Kombination aus psychologischen Belastungen, wie denen, die durch Übergriffe in der Crew verursacht werden, und den extremen äußeren Bedingungen wirft essentielle Fragen zur Sicherheit und zum Wohlbefinden der Wissenschaftler auf, die für längere Zeit in einer solch isolierten Umwelt leben müssen.