Das Flüchtlingslager Dadaab im Norden Kenias, nahe der somalischen Grenze, hat sich seit seiner Gründung in den 1990er Jahren zu einem der größten der Welt entwickelt. Aktuell leben dort schätzungsweise 370.000 Flüchtlinge, obwohl das Lager ursprünglich für lediglich 90.000 Personen konzipiert war. Diese dramatische Überbelegung ist das Resultat zahlreicher Krisen, insbesondere des anhaltenden Bürgerkriegs in Somalia, der seit über 30 Jahren Hunderttausende in die Flucht zwingt. Dadaab, umgeben von einer heißen und trockenen Landschaft, ist mittlerweile wie eine urbanisierte Kleinstadt mit Marktplätzen, Schulen und Moscheen gewachsen, jedoch unter extremen Lebensbedingungen.

Die fortdauernde Abhängigkeit der Bewohner von Nahrungsmittelhilfe, insbesondere durch das Welternährungsprogramm der UN, wird zunehmend kritisch. Angesichts erheblicher Kürzungen der US-Hilfsgelder befürchten Organisationen wie Save the Children, dass die Situation für viele Flüchtlinge, insbesondere Kinder, ernährungsbedingt katastrophal wird. Amina, eine 17-jährige Flüchtlinge, äußert Besorgnis über die abnehmende Unterstützung und medizinische Versorgung im Lager, wo viele Bewohner bereits seit Generationen leben.

Lebensbedingungen und humanitäre Herausforderungen

Die Lebensbedingungen sind für die meisten Flüchtlinge extrem hart. Viele sind gezwungen, ihre Monate mit Notrationen von Lebensmitteln zu überstehen, die drastisch reduziert wurden – ein Flüchtling berichtet von einer Reduzierung von 20 kg Mais auf nur 6 kg pro Monat für seine Familie. Obdachlose Neuankömmlinge müssen wochenlang auf die Registrierung und die Zuteilung von Nahrungsmittelhilfen warten. Infolgedessen leben viele dicht gedrängt in einfachen Zelten außerhalb der offiziellen Lagergrenzen.

Unter den Flüchtlingen befinden sich zahlreiche Familienmitglieder von Personen, die unter akutem Mangel an Nahrung leiden. Dabei sticht das Schicksal von Suban Osman und ihrer Enkelkinder hervor, die in einer Klinik von Ärzte ohne Grenzen untergebracht sind. Die Organisation leistet einen entscheidenden Beitrag zur medizinischen Versorgung, indem sie nahrungsergänzende Getränke an unterernährte Kinder verteilt.

Politische Rahmenbedingungen und Umsiedlungen

Die Situation wird zusätzlich durch die Pläne der kenianischen Regierung kompliziert, rund 315.000 somalische Flüchtlinge aus Dadaab umzusiedeln. Diese Entscheidung wird mit Sicherheitsbedenken begründet, da das Camp mehrfach als Rückzugsort für Terroristen bezeichnet wurde, wobei es bislang keine stichhaltigen Beweise für solche Behauptungen gibt. Kritiker führen an, dass dies Teil eines politischen Kampfs von Präsident Uhuru Kenyatta sein könnte, insbesondere vor den anstehenden Parlamentswahlen.

Die Unsicherheit über die Zukunft von Dadaab verstärkt die bereits dramatische Lage. Flüchtlinge, die es bereits aus Somalia geschafft haben, scheinen wenig Interesse an einer Rückkehr zu haben, solange die stabilitätslosen Bedingungen im Land bestehen bleiben. Die anhaltende Unterstützung des UNHCR wird als entscheidend erachtet, um eine friedliche Umsiedlung und Rückkehr für Flüchtlinge in Betracht zu ziehen.

Die humanitäre Lage in Dadaab muss unbedingt eine breitere internationale Aufmerksamkeit erhalten. Vor allem die bedrohliche Finanzierungskürzungen führen zu besorgniserregenden Engpässen im Versorgungssystem, die sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit der Flüchtlinge in Mitleidenschaft ziehen.

Die von Terre des Hommes berichteten Kürzungen haben zur Schließung mehrerer Familienzentren geführt. Rund 20.000 Menschen sind direkt von diesen Einschnitten betroffen, wobei etwa 1.000 Kinder in akuter Not sind. Die Organisation sucht dringend nach neuen Geldgebern, um ihre lebenswichtige Arbeit fortzusetzen und den Bedürfnissen der verwundbarsten Gruppen gerecht zu werden.

Gerade jetzt ist ein verstärktes Augenmerk auf Dadaab und die Schicksale der dort lebenden Menschen vonnöten. Internationale Solidarität und Unterstützung sind unerlässlich, um das Überleben dieser Generationen zu sichern und Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.

Für tiefere Einblicke in die Situation von Dadaab und die Herausforderungen, mit denen die Flüchtlinge konfrontiert sind, sind die Berichte von Tagesschau, Zeit und Deutschlandfunk Kultur eine wichtige Informationsquelle.