Ingrid Landmark Tandrevold, die 28-jährige norwegische Biathletin, zieht ernsthaft in Betracht, ihre Karriere zu beenden. Nach einem enttäuschenden Saisonverlauf, der zuletzt mit einem 55. Platz im Sprint beim Heim-Weltcup in Oslo culminierte, äußert sie öffentlich Rücktrittsgedanken. Dort hatte Tandrevold, die drei Schüsse verfehlte, wenig Gelegenheit, ihren Anschluss an frühere Leistungen zu demonstrieren, was ihren Frust noch verstärkte. „Ich habe viel Arbeit investiert, aber wenig zurückbekommen“, so der Tenor ihrer Aussagen.

Nach einer Herzoperation sieht sich Tandrevold mit signifikanten Herausforderungen konfrontiert, um an ihre früheren Erfolge anzuknüpfen. Ihre einzige nennenswerte Leistung in dieser Saison war ein überraschender Sieg im Sprint von Nove Mesto. Trainer Patrick Oberegger relativiert ihre Äußerungen und betont, dass die Enttäuschung über die Saison eine Rolle beim Nachdenken über einen Rücktritt spielt. Er hat jedoch keine spezifischen Informationen erhalten, dass Tandrevold ihre Karriere beenden wolle.

Frustration und die Frage nach der Zukunft

Tandrevold selbst betont, dass sie sich fragt, wie viel sie noch investieren sollte, wenn die Erfolge ausbleiben. Ihre Strategie beim Stehendschießen bereitete ihr in den letzten Monaten Schwierigkeiten, und die WM-Kampagne war geprägt von weiteren Rückschlägen, bei denen Schießfehler ihrer Mixed-Staffel eine Medaille kosteten. Oberegger macht klar, dass Rücktrittsgedanken häufig aus Frustration entstehen, doch Tandrevold deutet an, dass die bevorstehenden Olympischen Spiele im nächsten Jahr einen Grund für eine Fortsetzung ihrer Karriere darstellen könnten.

Ein möglicher Rücktritt wäre ein herber Verlust für das norwegische Biathlon-Team, das bereits auf prominente Athleten wie Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Röiseland verzichten musste. Tandrevold selbst ist hin- und hergerissen und hat das Gefühl, dass sie noch mehr erreichen kann, was die Unsicherheit über ihre sportliche Zukunft verstärkt.

Psychische Belastungen im Leistungssport

Die Diskussion um Tandrevolds Rücktrittsüberlegungen ruft auch einen breiteren Kontext über die psychischen Belastungen von Leistungssportlern hervor. Eine Studie aus dem Jahr 2010 identifizierte eine Vielzahl von Stressoren, denen Athleten während ihrer Karriere ausgesetzt sind, was sie anfällig für psychische Erkrankungen macht. Die Herausforderung, die eigene Leistung zu erbringen, gepaart mit körperlichen Rückschlägen, kann zu Belastungen führen, die über die sportliche Karriere hinausgehen.

Die Metaanalyse von 34 Studien zeigt, dass Psychische Symptome wie Schlafstörungen, Depressionen und Angststörungen bei aktiven und ehemaligen Athleten weit verbreitet sind. Nach dem Karriereende können neue Stressoren, wie der Verlust der sportlichen Identität, zu psychischen Herausforderungen führen. In diesem Licht gewinnen Tandrevolds Äußerungen über ihre Motivation und ihre Zukunft zusätzliche Bedeutung, während sie jüngst im Kampf um ihre sportliche Identität weit über das Biathlon-Feld hinaus reflektiert.

Ob Ingrid Landmark Tandrevold letztendlich ihre Karriere fortsetzt oder beendet, ist ungewiss. Doch ihre gegenwärtige Situation wirft sowohl ein Licht auf die persönliche Belastung einer Athletin als auch auf die breiteren psychischen Herausforderungen, die Athleten im Leistungssport bewältigen müssen.

Die Entwicklungen rund um Tandrevold können unter anderem auf Merkur und TAG24 verfolgt werden.

Das Thema psychische Gesundheit im Sport wird eingehender in der Zeitschrift für Sportmedizin behandelt.