In einer im Februar 2025 veröffentlichten Studie wurde das Camp-Hill-Virus, ein eng verwandter Angehöriger des Nipah- und Hendra-Virus, in Alabama, USA, bei Spitzmäusen nachgewiesen. Der Nachweis dieses bisher in Nordamerika unbekannten Virus ist ein alarmierendes Zeichen für die globale Verbreitung von Henipaviren, die traditionell bei Fledermäusen vorkommen, aber auf andere Säugetiere, einschließlich Menschen, übergreifen können. Bisher wurde das Virus in vier nördlichen Kurzschwanzschwänzen (Blarina brevicauda) entdeckt, die im Jahr 2021 gefangen wurden, und zwar während der Organanalysen nach der Sektion der Tiere. Laut Experten könnte das Camp-Hill-Virus eine zukünftige Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen, da Umweltveränderungen und menschliche Aktivitäten die Übertragung von Viren zwischen Tieren und Menschen begünstigen könnten. Die gesundheitlichen Risiken durch dieses Virus sind bislang unklar, doch Wissenschaftler warnen vor einer möglichen Mutation, die eine Übertragung auf den Menschen ermöglichen könnte, wie es bei anderen Henipaviren der Fall ist.
Das Camp-Hill-Virus gehört zur Gattung der Henipaviren, zu denen auch das Nipahvirus zählt, das 1998 in Malaysia erstmals aufgetreten ist. Die Letalität des Nipahvirus liegt zwischen 40 % und 70 %, während das Hendra-Virus, das 1994 in Australien entdeckt wurde, eine Fallsterblichkeitsrate von etwa 60 % aufweist. In den bisherigen Funden des Camp-Hill-Virus gibt es jedoch noch keine Hinweise auf menschliche Infektionen, und das Risiko wird als niedrig eingeschätzt. Die Hauptsymptome des verwandten Langya-Virus, das auf Menschen übertragen wurde, sind Fieber, Müdigkeit und Husten, wobei es nicht als lebensgefährlich gilt. Menschen können sich durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen infizieren, jedoch sind direkte Begegnungen mit den nördlichen Kurzschwanzschwänzen aufgrund ihrer habitatbedingten Rückzugstaktik selten.
Erkenntnisse über Henipaviren
Henipaviren sind zoonotische Viren, die schwerwiegende Erkrankungen sowohl bei Tieren als auch beim Menschen hervorrufen können. Dazu gehören sowohl respiratorische Erkrankungen als auch Enzephalitis. Sowohl das Nipah- als auch das Hendra-Virus werden durch Kontakt mit Intermediärwirten, wie zum Beispiel Schweinen und Pferden, übertragen, sowie durch kontaminierte pflanzliche Lebensmittel wie Früchte und Palmsaft. Während das Nipahvirus auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist und nosokomiale Infektionen bekannt sind, wurde gegen das Nipahvirus und das Hendra-Virus kein spezifischer Impfstoff für Menschen entwickelt. Derzeit ist jedoch seit 2012 ein Impfstoff für Pferde gegen das Hendra-Virus verfügbar.
Die Entdeckung des Camp-Hill-Virus verdeutlicht die Notwendigkeit weiterer Forschung, um das Virus zu isolieren und die potenziellen Risiken für die menschliche Gesundheit besser zu verstehen. Bodo Plachter, ein Virologe, merkt an, dass trotz der Besorgnis über die Virusverbreitung bisher keine Hinweise auf menschliche Infektionen vorliegen. Er betont, dass es wichtig ist, kontinuierlich zu beobachten, wie sich solche Viren in der Natur verhalten, insbesondere im Kontext von zunehmenden Umweltveränderungen und der Zerstörung von Ökosystemen.
Insgesamt sind die aktuellen Funde des Camp-Hill-Virus nicht nur ein wichtiges Thema für die Gesundheitsforschung, sondern werfen auch Fragen zu den zukünftigen Risiken von zoonotischen Viren auf, die möglicherweise bei der Entstehung neuer Pandemien eine Rolle spielen könnten. Die Auswertung der bisherigen Daten zu Henipaviren zeigt ein eindringliches Bild der Notwendigkeit, die Übertragung von Viren zwischen Tieren und Menschen weiterhin genau zu überwachen und zu dokumentieren.