Am 2. März 2025 wurde die neueste Folge des BR-„Tatort“ mit dem Titel „Charlie“ ausgestrahlt, die die Zuschauer in ihren Bann zog. In der 96. Episode ermitteln die Münchner Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr zusammen mit Ferdinand Hofer in einem komplexen Fall, der zu einem US-Militärgelände führt, auf dem ein NATO-Manöver stattfindet. Die Ermittlung wird zudem kompliziert durch den Tod zweier junger Menschen, die als “Civilians on the Battlefield” (COB) agierten.

Die Handlung beginnt mit dem schockierenden Fund der Leiche einer jungen Frau, Fine Schröder, in einem US-Militärfahrzeug am Ufer der Isar. ihre Identität wird anfangs nicht erkannt. Majorin Jennifer Miller, gespielt von Yodit Tarikwa, die aus den Niederlanden stammt, bestätigt den Ermittlern, dass keine Soldaten vermisst werden. Doch die Kommissare finden entscheidende Hinweise, wie Blutspuren und Kleidung, im verlassenen Lager „Charlie“, sowie eine weitere männliche Leiche, Zoran Ilic. Die Rolle der Majorin hat aufgrund ihres Akzents in der Darstellung für viel Diskussionsstoff gesorgt. Zuschauer haben sich auf der Plattform X kritisch zu Tarikwas Akzent geäußert und gefordert, die Rolle ohne diesen zu spielen. Gleichzeitig gab es jedoch auch Lob für das Gesamtkonzept der Folge.

Neue Dimension der Ermittlung

Im Verlauf der Ermittlungen taucht die Thematik des sogenannten „Civilian on the Battlefield“ auf. Diese Zivilistendarsteller sind dafür verantwortlich, militärische Übungen realistisch darzustellen. Dass die beiden Opfer COBs waren, fügt dem Fall eine zusätzliche Schicht an Tragik und Realismus hinzu. Der Alltag eines COBs ist durch einfache Lebensbedingungen, frühes Aufstehen und die Simulation von Konfliktszenarien geprägt. Es ist wichtig zu beachten, dass während ihrer Einsätze der Kontakt zur Familie untersagt ist und auch keine technischen Geräte verwendet werden dürfen, um die Authentizität der Übungen zu gewährleisten.

Dagmar Gabler, die Drehbuchautorin der Folge, hat selbst im Jahr 2016 als COB an einem NATO-Manöver teilgenommen und bringt persönliche Erfahrungen in die Geschichte ein. Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist, dass die Valbin Corporation jegliche COBs anstellt, wobei Bewerber volljährig und EU-Bürger oder im Besitz einer deutschen Arbeitserlaubnis sein müssen. Die Arbeit als COB hat ihren Preis: für tagelange Einsätze von 12 bis 18 Tagen müssen die Darsteller mit einem Stundensatz von circa 13 Euro auskommen.

Der NATO-Kontext

Das Setting dieser Episode ist besonders relevant, da die NATO derzeit eine monumentale Übung mit dem Namen „Steadfast Defender“ plant, die von Februar bis Mai 2024 stattfinden soll. Hierbei werden etwa 90.000 Soldaten beteiligt sein, ein Vorhaben, das die größte NATO-Übung seit dem Ende des Kalten Krieges darstellt. US-General Christopher Cavoli kündigte dieses Manöver in Brüssel an, und es wird als Antwort auf den russischen Angriff auf die Ukraine interpretiert. Der Fokus dieser Übung liegt auf der Alarmierung und Verlegung multinationaler Landstreitkräfte, um die Verteidigungsfähigkeit der Allianz zu demonstrieren.

Diese Umstände verleihen dem neuen „Tatort“ eine besondere Brisanz. Die Münchner Ermittler müssen nicht nur die Umstände der Morde aufklären, sondern auch die Hintergründe der militärischen Übungen verstehen. Die Zuschauer werden in eine verworrene, gefährliche Welt entführt, in der Zivilisten in Konflikten eine Rolle spielen, die weit über die Vorstellungskraft hinausgeht.

Mit der Entscheidung von Kommissar Batic und Leitmayr, nach über 30 Jahren in den Ruhestand zu gehen, wird ein Kapitel im deutschen Fernsehen geschlossen. Carlo Ljubek wird dabei als neuer Chefermittler an der Seite von Ferdinand Hofer eingeführt. Hofer liefert in der Episode entscheidende Hinweise zur Aufklärung des Falls und führt das Publikum in die Zukunft des „Tatort“ mit frischem Wind.