Shein, einer der größten Modehändler in Europa, steht aktuell im Fokus von Kritik. Die Anschuldigungen beziehen sich auf das Umgehen von Zollgebühren und gefährliche Produkte. Peter Pernot-Day, der Strategiechef des Unternehmens, weist diese Vorwürfe jedoch entschieden zurück. Er erklärt, dass Shein Produkte nach Bestelleingang verschickt und nicht um Zölle zu umgehen, was die Behauptung des sogenannten Paket-Splittings als Mythos bezeichnet. Zudem unterschreiten viele Produkte die Zollgrenze von 150 Euro, da sie zu günstigen Preisen angeboten werden, was die Vorwürfe weiter entkräftet.
Sheins Geschäftsmodell basiert auf einer On-Demand-Produktion, die darauf abzielt, in kleinen Mengen und basierend auf der Echtzeit-Nachfrage zu produzieren. Der Modehändler bietet seine Dienstleistungen über Apps und Webshops in 20 Sprachen an und beliefert mehr als 150 Länder. Um die Lieferzeiten zu optimieren, die derzeit zwischen 7 und 14 Tagen liegen, plant Shein den Ausbau seiner Produktionsstätten in Europa und Amerika. Die bestehenden Produktionsstandorte in China, der Türkei und Brasilien sind dabei zentral für die aktuelle Strategie.
Schritt in Richtung Nachhaltigkeit
In einer Zeit zunehmender Bedenken über die Umweltauswirkungen der Textilproduktion ist Shein auch verstärkt gefordert, sich an gesetzliche Vorgaben zu halten. Um den EU-Sicherheitsvorgaben gerecht zu werden, hat das Unternehmen im Jahr 2024 rund zwei Millionen Produktsicherheitstests durchgeführt. Alle Produkte entsprechen den Anforderungen der REACH-Verordnung der Europäischen Union, was die Sicherheit und Verträglichkeit der angebotenen Artikel gewährleisten soll.
Im weiteren Kontext ist es wichtig zu erwähnen, dass die EU ihre Richtlinien zur Textilproduktion und zu Abfällen überarbeitet hat. Laut einem Bericht des Europäischen Parlaments legt die Kommission Maßnahmen gegen gefährliche Chemikalien fest und fordert von Herstellern, die Verantwortung für ihre Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu übernehmen. Diese Maßnahmen sollen auch dazu beitragen, die Menge an Textilabfällen zu reduzieren, die ein globales Problem darstellen. Ab dem 1. Januar 2025 müssen EU-Mitgliedstaaten Textilien separat sammeln, um die Wiederverwendung und das Recycling zu fördern.
Darüber hinaus wird das Umweltzeichen der EU für nachhaltige Hersteller, die ökologische Kriterien erfüllen, immer relevanter. Produkte mit diesem Zeichen enthalten weniger schädliche Stoffe, reduzieren Wasser- und Luftverschmutzung und entsprechen den wachsenden Anforderungen der Verbraucher an nachhaltige Mode.
Insgesamt zeigt sich, dass Shein vor der Herausforderung steht, ein Gleichgewicht zwischen Expansion und Nachhaltigkeit zu finden. Das Unternehmen muss die bestehenden Vorwürfe entkräften und gleichzeitig den wachsenden Ansprüchen an umweltfreundliche Produktionspraktiken gerecht werden. Die kommenden Jahre werden entscheiden, wie erfolgreich Shein diesen Spagat meistern kann. Weitere Informationen dazu bietet Welt und Europarl.