Am 3. Februar 2025 wurde die Ukraine erneut von russischen Luftangriffen getroffen, die in mehreren Städten verheerende Folgen hinterließen. In Poltawa wurden mindestens 14 Personen, darunter zwei Kinder, getötet und 17 weitere, darunter vier Kinder, verletzt. Diese Angriffe markieren einen weiteren schweren Einschnitt in die humanitäre Lage der Region, wo bereits zuvor die Anzahl der Opfer gestiegen war. Für Poltawa wurde eine dreitägige Trauer angeordnet. Auch in Sumy wurden bei einem Angriff zwei Todesopfer gemeldet. In Charkiw gab es einen Toten durch einen Drohnenangriff. Die Zerstörung in Saporischschja und Odessa war erheblich, wobei in Odessa mehr als ein Dutzend denkmalgeschützte Gebäude im historischen Zentrum betroffen sind, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bezeichnete diese Angriffe als „weiteres terroristisches Verbrechen“ und forderte die westlichen Unterstützer auf, mehr Schutz, insbesondere durch zusätzliche Flugabwehrsysteme, bereitzustellen. Russland erklärte, dass die Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine abzielten und behauptete, alle anvisierten Objekte seien zerstört worden. Unabhängige Bestätigungen der Angaben sind jedoch schwierig.
Konfliktübersicht
Seit dem Beginn des Konflikts im Jahr 2014, der als der größte regionale Krieg in Europa seit 1945 gilt, haben beide Seiten Probleme, ihre politischen Ziele mit entsprechenden militärischen Fähigkeiten in Einklang zu bringen. Obwohl die Ukraine mehr als die Hälfte der Gebiete, die seit dem 24. Februar 2022 verloren gingen, zurückerobert hat, bleibt die militärische Lage angespannt. Die russische Kriegsführung wird zunehmend als Strategie zur Transformation der Ukraine in einen dysfunktionalen Staat wahrgenommen, während alle Beteiligten neue Ressourcen mobilisieren, um die Intensität der Kämpfe aufrechtzuerhalten.
Aktuell stehen die Frontlinien nahezu still, was den Konflikt zu einem Abnutzungskrieg macht. Die ukrainischen Streitkräfte haben sich in den letzten Jahren auch im Seekrieg behaupten können, indem sie einen Großteil der russischen Schwarzmeerflotte neutralisierten und eine Seeblockade aufhoben. Im Jahr 2023 gelang es der Ukraine jedoch nicht, ihre Südoffensive erfolgreich umzusetzen, was die militärischen Erfolge einschränkte.
Humanitäre Krise
Die humanitäre Krise in der Ukraine hat sich dramatisch verschärft. Laut dem UNHCR gehören zu den schlimmsten Auswirkungen bis zu 10 Millionen Vertriebene, was eine der größten Vertreibungskrisen weltweit darstellt. Innerhalb der Ukraine sind nach wie vor etwa 4 Millionen Menschen auf der Flucht. Die UNO gibt an, dass rund 40 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, wobei die humanitären Organisationen geschätzte 4,2 Milliarden US-Dollar benötigen, um die Grundbedürfnisse zu decken. Darüber hinaus schätzte die UNO Ende 2023 den Gesamtschaden an der Infrastruktur auf über 150 Milliarden Euro.
Die russische Kriegswirtschaft zeigt sich trotz westlicher Sanktionen resilient, was auf strategische Anpassungen und Unterstützung aus China zurückzuführen ist. Die EU, die NATO und die USA haben der Ukraine seit Beginn des Konflikts materielle und finanzielle Hilfe in erheblichem Umfang zukommen lassen. Allein die USA haben bis Ende August 2024 fast 85 Milliarden Euro bereitgestellt. Für die Ukraine bleibt die Unterstützung essentiell, insbesondere angesichts der fortwährenden Angriffe auf kritische Infrastruktur und der Verschlechterung der Lebensverhältnisse in den betroffenen Gebieten.
Der Konflikt bleibt ein zentrales geopolitisches Thema, dessen Entwicklungen besonders im Hinblick auf die westliche Unterstützung und die militärische Lage von großer Bedeutung sind.