In einem aktuellen Interview äußert sich Renault-Chef Luca De Meo zu den Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Automobilindustrie. Am 13. Februar 2025 stellte er die neuen Elektrofahrzeuge R4 und R5 vor und betonte die Diskrepanz zwischen den strengen EU-Klimavorgaben und den Kaufgewohnheiten der Verbraucher. De Meo kritisierte insbesondere die EU-Vorschriften, die die Kosten für Autos erhöhen, und wies auf die Notwendigkeit hin, die Produktion von Fahrzeugen mit hohen Emissionen zu reduzieren. Er fordert mehr Flexibilität von der EU in Bezug auf CO2-Normen und andere Vorschriften, da neue Regelungen die Kosten für Autos bis 2030 um bis zu 40 Prozent erhöhen könnten, was zusätzliche Probleme für Hersteller mit sich bringt.
Seit 2020 leitet De Meo Renault und hat den Comeback-Plan „Renaulution“ erfolgreich umgesetzt. Ein Ziel dieser Strategie ist es, bis Ende 2025 einen Elektroanteil von 20 bis 22 Prozent im Verkaufsportfolio zu erreichen. Gleichzeitig ist Renault in Europa die Nummer zwei beim Verkauf von Hybridfahrzeugen, mit einem Marktanteil von 16 Prozent. De Meo hebt hervor, dass Renault keine Emissionsgutschriften von anderen Herstellern erworben hat, was die ehrgeizigen Ziele des Unternehmens unterstreicht.
Strategische Investitionen und Zukunftspläne
De Meo plant, Ressourcen in die Entwicklung des R5 Turbo zu investieren, um den Markenwert von Renault zu steigern und positive Erinnerungen bei den Kunden zu wecken. Er betont auch die Bedeutung des Erbes von Automarken und deren Verbindung zu Innovationen. Mit mehr als zwei Dritteln der 2,26 Millionen Pkw-Verkäufe im Jahr 2024 soll die Marke Renault stabil in den Markt zurückkehren, während Dacia mit dem Modell Bigster in das C-Segment expandiert.
Die europäische Automobilindustrie steht jedoch vor enormen Herausforderungen, um den Elektroanteil zu erhöhen. De Meo weist darauf hin, dass kobaltfreie und Festkörperbatterien eine Schlüsselrolle in der Kostenreduktion für Elektrofahrzeuge spielen könnten. Zudem wurde die geplante Kooperation mit Volkswagen zur Entwicklung einer Elektroplattform für Kleinwagen als gescheitert bezeichnet, was die Schwierigkeiten der Branche verdeutlicht.
Nachhaltigkeit und Verkehrswende
Zusätzlich zur Elektrifizierung der Fahrzeugflotte wird eine Kombination aus verschiedenen Verkehrsmitteln als notwendig erachtet, um den Klimaschutz effektiv voranzutreiben. Hierzu zählt der Einsatz von öffentlichem Personennahverkehr und die Entwicklung von selbstfahrenden Sammeltaxis für ländliche Regionen, die kostengünstig operieren sollten. Diese Maßnahmen sind besonders relevant in städtischen Gebieten wie Hamburg, wo der öffentliche Nahverkehr durch zugeparkte Wohngebiete beeinträchtigt wird.
Die Transformation hin zu nachhaltiger Mobilität erfordert auch einen massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur. So sind laut einem Bericht von KPMG im Zeitraum bis 2050 über 1.000 Ladesäulen pro Tag notwendig, um die regulatorischen Ziele der EU einzuhalten. Dies schließt auch den Aufbau von High Power Chargern (HPC) ein, um durch kurze Ladezeiten die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen zu steigern.
Für die europäische PKW-BEV-Flotte wird ein langfristiger jährlicher Strombedarf von 425 TWh prognostiziert, gleichzeitig müssen auch alte Stromleitungen erneuert werden, um die Effizienz zu steigern. In der Diskussion um die Mobilität der Zukunft spielt nicht nur die Elektrifizierung eine Rolle, sondern auch der Einsatz von nachhaltigen Antriebsarten und Technologien wie e-Fuels, jedoch mit dem klaren Fokus, diese nicht für Neuwagen, sondern für bestehende Fahrzeuge zu verwenden.
Insgesamt plädiert De Meo für klar definierte, greifbare Ziele zur Dekarbonisierung der Automobilindustrie und betont, dass die Branche bereit ist, innovative Wege zu gehen, um diesen Herausforderungen ausreichend zu begegnen.
Für weitere Informationen zu den neuesten Entwicklungen im Bereich nachhaltige Mobilität und Automobilindustrie lesen Sie die Artikel bei Focus, taz und KPMG.