Der schwedische Batteriehersteller Northvolt hat am 12. März 2025 Insolvenz in Schweden angemeldet. Dies geschah trotz intensiver Gespräche, in denen das Unternehmen informiert, dass keine Überlebensbedingungen in seiner aktuellen Form geschaffen werden konnten. Der Insolvenzantrag wurde bei einem Gericht in Stockholm eingereicht und wird als „die einzig gangbare Lösung“ betrachtet. Northvolt verfolgt nun realistische Optionen zur Sicherung der Finanzierung des operativen Geschäfts im Rahmen des Insolvenzverfahrens.
Die Situation bei Northvolt ist besonders besorgniserregend, da das Unternehmen bereits Schwierigkeiten beim Hochlauf der Batterieproduktion hatte, die maßgeblich für die geplante europäische Unabhängigkeit von ausländischen Herstellern, insbesondere aus China, vorgesehen war. Kunden wie BMW haben aufgrund von Lieferschwierigkeiten bereits Aufträge storniert, was die finanzielle Lage weiter verschärfte. Zudem weist das Unternehmen Schulden in Höhe von 5,8 Milliarden Dollar auf, während die liquiden Mittel auf lediglich 30 Millionen Dollar gesenkt wurden, was nur für eine Woche reicht.
Herausforderungen der Batteriefertigung
Die E-Auto-Nachfrage in Europa ist jüngst stark eingebrochen, was die bereits bestehenden Herausforderungen der Branche weiter verstärkt. Northvolt, das als Hoffnungsträger einer eigenständigen Batterieproduktion in Europa gilt, sieht sich mit einer Ausschussquote von eventuell über 30 Prozent konfrontiert, was Produktionsziele in Frage stellt. Der Mitgründer Peter Carlsson räumt ein, dass die ambitionierten Produktionsziele möglicherweise zu hoch gesteckt waren.
Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI prognostiziert, dass die EU-Ziele zur Selbstversorgung mit Batterien bis 2030 nur eine etwa 50-prozentige Chance haben. Es wird daher eine unabhängige Batterieproduktion als strategisch wichtig erachtet, um zukünftige Lieferengpässe zu vermeiden und die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern.
Fortsetzung von Projekten trotz Schwierigkeiten
Obwohl die Muttergesellschaft in Schweden nun insolvent ist, wird der Bau der Batteriefabrik „Northvolt Drei“ in Heide, Deutschland, fortgesetzt. Diese deutsche Tochtergesellschaft wird unabhängig von der Muttergesellschaft finanziert und ist nicht Teil des Insolvenzantrags. Experten erwarten, dass das Werk in Heide jedoch kleiner ausfallen könnte als ursprünglich geplant.
Trotz der negativen Entwicklungen haben einige Kunden, wie Scania, Unterstützung zugesagt. Northvolt benötigt zwischen 1,0 und 1,2 Milliarden Dollar, um das Geschäft wieder auf Kurs zu bringen. Internationale Investoren, darunter Kanada und die schwedische Regierung, haben jedoch signalisiert, dass sie nicht mehr in Northvolt investieren möchten.
Die Komplexität und die hohen Kosten der Batteriefertigung sowie die gestiegenen geopolitischen Spannungen haben die Branche in eine unsichere Lage gebracht. Der Aufbau stabiler Produktionskapazitäten in Europa wird als strategisch wichtig erachtet, aber dieser Prozess gestaltet sich langsam. Ohne ausreichende Kapazitäten wird Europa voraussichtlich weiterhin auf Importe angewiesen sein, was die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten verstärkt.
Insgesamt zeigt die Situation von Northvolt, dass Europa vor erheblichen Herausforderungen steht, um eine erfolgreiche und nachhaltige Batterieproduktion für Elektrofahrzeuge zu etablieren. Eine Vielzahl von Faktoren, von finanziellen Problemen über geopolitische Einflüsse bis hin zu technologischen Herausforderungen, müssen angegangen werden, um die ehrgeizigen Ziele in der Elektrofahrzeugindustrie zu realisieren.
Für weitere Informationen über die Schwierigkeiten des Unternehmens und die Auswirkungen auf die europäische Batteriewirtschaft lesen Sie die Berichte auf FAZ, Tagesschau und Industriemagazin.