Dutzende ukrainische Soldaten haben während ihrer militärischen Ausbildung in Frankreich desertiert. Ein Vertreter der französischen Armee schätzte die Anzahl der Desertionen auf „einige Dutzend“. Diese Zahl ist im Verhältnis zur Gesamtheit der ausgebildeten Soldaten jedoch gering. In den französischen Kasernen, in denen sich die Soldaten aufhielten, hatten diese das Recht, das Gelände zu verlassen, und Desertion steht in Frankreich nicht unter Strafe. Französische Staatsanwälte sind nicht befugt, deserter Soldaten festzunehmen, was die Situation zusätzlich kompliziert.

Insgesamt wurden 2.300 Soldaten der Brigade „Anne von Kiew“ in Frankreich ausgebildet, während weitere 2.200 Soldaten dieser Einheit in der Ukraine geschult wurden. Die Brigade gilt als Vorzeigeprojekt zur Ausbildung und Ausrüstung ukrainischer Soldaten. Der ukrainische Befehlshaber der Landstreitkräfte, Mychailo Drapatyj, äußerte sich besorgt über die „Probleme“, die innerhalb der Armeeeinheit bestehen. Diese Desertionen werfen Fragen über die Moral und Disziplin der Soldaten auf, die größtenteils Wehrpflichtige ohne vorherige Kampferfahrung sind.

Aktuelle Entwicklungen

Der ukrainische Journalist Jurij Butusow berichtete im vergangenen Dezember, dass 1.700 Soldaten aus der Brigade geflohen seien, viele davon vor einem geplanten Einsatz an der Front. Diese Informationen wurden von Drapatyj nicht direkt in Frage gestellt, was den Eindruck verstärkt, dass die Desertion ein ernsthaftes Problem für die ukrainische Armee darstellt. In den ersten vier Monaten des Jahres 2024 wurden fast 19.000 Soldaten von der Justiz verfolgt, weil sie desertiert sind.

Die ukrainische Regierung hat in Reaktion auf die Situation Gesetzesänderungen eingeführt. Diese neuen Regelungen ermöglichen es Deserteuren, ohne Strafe zurückzukehren, was einen weiteren Indikator für die Probleme innerhalb der ukrainischen Streitkräfte darstellt. Die Kombination aus den persönlichen Umständen der Soldaten, dem Druck an der Front und den rechtlichen Gegebenheiten in Frankreich führt zu einem besorgniserregenden Trend, der die militärische Effizienz der Ukraine gefährden könnte.

Insgesamt zeigen die jüngsten Ereignisse, dass die Desertion unter ukrainischen Soldaten ein weitreichendes andauerndes Problem darstellt, das sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene ernsthafte Folgen haben könnte. Der Fall der Brigade „Anne von Kiew“ in Frankreich ist dabei nur eine Facette einer komplexen Gemengelage, die eine sorgfältige Beobachtung und Handhabung erfordert.

Die Reaktionen auf die Desertionen sind unterschiedlich, und es bleibt abzuwarten, welche Maßnahmen die ukrainische Führung ergreifen wird, um die Moral und Disziplin ihrer Soldaten zu verbessern. Experten und Militäranalytiker sind weiterhin daran interessiert, wie sich diese Situation auf den langfristigen Verlauf des Konflikts in der Region auswirken wird.

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