Die Ansiedlung der neuen Chipfabrik des taiwanesischen Herstellers TSMC in Dresden sorgt nicht nur für wirtschaftliche Hoffnungen in der Landeshauptstadt, sondern auch für die umliegenden Regionen. Der Landrat des Kreises Görlitz, Stephan Meyer, betrachtet die Investition als bedeutende Chance für seinen Landkreis, der über 30 Kilometer von der Fabrik entfernt liegt. In einem Treffen mit dem Regionalchef aus Liberec sowie den Rektoren der örtlichen Hochschulen wurde die Planung gemeinsamer Studiengänge diskutiert, um Fachkräfte für das neue Werk auszubilden. Ziel ist es, Kontakte zu Firmen und Kommunen zu knüpfen, um Zulieferer anzusiedeln und Kooperationen zu ermöglichen, berichtet die Sächsische.

Besondere Aufmerksamkeit richtet Meyer auf Unternehmen im Süden des Landkreises, die aufgrund der Automobilkrise neue Geschäftsfelder erschließen möchten. Zurückzuführen ist dies auch auf die massive Investition von 10 Milliarden Euro, die angestoßen werden soll. Die Chancen, die daraus resultieren, sind nicht zu verachten: 21 Kommunen haben sich zur „Erlebnisregion Dresden“ zusammengeschlossen, um Wohnbaupotenziale zu identifizieren. Diese Maßnahmen sind wichtig, da der angespannten Wohnungsmarkt in Dresden kaum in der Lage ist, die anvisierten 2.000 Mitarbeiter von TSMC und deren Familien zeitnah unterzubringen.

Vorbereitungen auf den Zuzug

Um dem Zuzug gerecht zu werden, sehen die Planer in Dresden und der Umgebung erhebliche Notwendigkeiten für den Bau von Wohnungen sowie die Schaffung neuer Kita- und Schulplätze. Laut einem Branchenverband wird bis 2030 ein Anstieg um 27.000 Arbeitskräfte in der Halbleiterbranche erwartet, was die Stadt und das Umland vor eine immense Herausforderung stellt. Dabei rechnet die Stadt Heidenau bereits mit dem Bau von 2.700 neuen Wohnungen, um zukünftige Einwohner zu versorgen, während in Pulsnitz Wohnprojekte aufgrund bürokratischer Hürden auf Eis liegen, wie die MDR berichtet.

Die von Meyer angesprochene tschechisch-taiwanesisch-sächsische Konferenz, die für den 9. April in Zittau geplant ist, könnte ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung leisten. Der Freistaat Sachsen hat Gemeinden, die maximal 35 Minuten von der Chipfabrik entfernt sind, eingeladen, von den wirtschaftlichen Impulsen zu profitieren. Die Infrastruktur in Ostsachsen soll hierbei ebenfalls gestärkt werden, wenn auch nicht in der Geschwindigkeit, die man sich wünschen würde, da eine grundlegende Verbesserung bis zur Öffnung des Werkes im Jahr 2027 nicht zu erwarten ist.

Fachkräftemangel in der Mikroelektronik

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist der Fachkräftemangel, der sich bereits jetzt abzeichnet. In Deutschland sind Stand August 2023 rund 445.000 Personen sozialversicherungspflichtig als IT-Fachkräfte beschäftigt, dabei sind nur knapp 6.000 in der Mikrosystemtechnik tätig. Für das Jahr 2027 werden mindestens 65.000 Beschäftigte in der Elektrotechnik in Rente gehen, und 29.000 werden das Berufsfeld verlassen. Angesichts der zu erwartenden Absolventenzahl von 89.000 Personen im Elektrobereich, die den Neubedarf nicht decken kann, besteht dringender Handlungsbedarf, wie die Bundestagsmeldung zeigt.

Um dem steigenden Bedarf in der Mikroelektronikbranche bis 2030 entgegenzuwirken, der in der EU um 200.000 Fachkräfte ansteigen wird, fordert die Bundesregierung eine signifikante Steigerung der Ausbildungskapazitäten. Dies könnte einen entscheidenden Einfluss auf die erfolgreichen Ansiedlungen von Unternehmen wie TSMC haben und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken.