In den letzten Tagen sind in den Städten Bergheim und Kaarst, die im Rheinland liegen, vermehrt Sichtungen eines mutmaßlichen Wölfs gemeldet worden. Laut einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeiger wurden Videos und Fotos des Tieres veröffentlicht, die von Spaziergängern am 9. März aufgenommen wurden. Eine Gruppe, bestehend aus zwei Schwestern und einem Freund, bemerkte, dass sie von einem Wolf verfolgt wurden, während sie mit ihrem Hund unterwegs waren. Der Wolf zeigte ein neugieriges Verhalten, sprang jedoch erschrocken zur Seite und rannte in einem Halbkreis an der Gruppe vorbei.
Die Situation führte zu einer Mischung aus Entspannung und Verunsicherung unter den Anwesenden. Ein weiterer Vorfall ereignete sich in Glessen, wo ein Wolf einem Fußgänger bis auf wenige Meter nahe kam. Der Fußgänger versuchte vergeblich, das Tier mit „Ksch“-Lauten zu vertreiben. Experten wie Christian Berge vermuten, dass es sich um einen jungen Wolf handelt, der möglicherweise an den Hunden interessiert ist. Im Frühjahr verlassen Wölfe in der Regel ihr Elternrudel auf der Suche nach einem eigenen Revier.
Verhalten bei Wolfssichtungen
Experten geben verschiedene Ratschläge für den Umgang mit Wölfen. Es wird empfohlen, stehen zu bleiben, nicht wegzulaufen und laut zu rufen oder zu klatschen, um das Tier zu vertreiben. Der Naturschutzbund NABU weist darauf hin, dass Wölfe in der Regel keine Gefahr für Menschen darstellen. Seit dem Jahr 2000 wurden keine aggressiven Übergriffe dokumentiert. Dennoch, in den letzten Wochen kam es zu wiederholten Sichtungen, die insbesondere an Schulen für Verunsicherung sorgten.
In Deutschland leben mittlerweile 184 Wolfsrudel, davon die meisten in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen, wie das Bundesamt für Naturschutz berichtet. Diese Daten stammen aus dem Monitoringjahr 2022/2023, wo 1339 Wolfsindividuen nachgewiesen wurden. Die genaue Zahl der Wölfe ist von großer Bedeutung für den langfristigen Erhalt dieser Art in Deutschland.
Das Wolfsvorkommen in Deutschland ist vor allem auf die östlichen Bundesländer konzentriert, aber auch in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern wurden territoriale Ansprüche der Wölfe bestätigt. Die Überprüfung von Wolfssichtungen ist eine wichtige Aufgabe, um das Zusammenleben von Mensch und Tier zu fördern und mögliche Konflikte zu minimieren.
Die Diskussion um den Wolf wird durch Experten wie Tanja Askani belebt, die sich seit ihrer Kindheit mit Wildtieren beschäftigt und mehrere Wolfspopulationen betreut. Sie hebt hervor, dass Aggression und Zärtlichkeit Teil des natürlichen Verhaltensspektrums des Wolfes sind und fordert ein realistisches Verständnis ohne romantische Vorurteile.
Die aktuelle Situation in Bergheim und Kaarst zeigt, wie wichtig es ist, informiert zu bleiben und adäquat mit solchen Begegnungen umzugehen. Der Austausch zwischen Experten, Jägern und der Bevölkerung ist entscheidend, um ein harmonisches Miteinander zu ermöglichen.