Die Weinproduktion in Deutschland steht vor einer ernsthaften Herausforderung. In den Weinanbaugebieten Baden und Württemberg wurden im Jahr 2024 markante Rückgänge in der Weinmenge verzeichnet, die durch extreme Wetterbedingungen und klimatische Veränderungen bedingt sind. Südkurier berichtet von einem Rückgang der Weinmenge in Baden um ein viertel auf 954.000 Hektoliter. Auch Württemberg bleibt nicht unberührt, hier sank die Menge um mehr als 18 Prozent auf 667.000 Hektoliter.

Insgesamt beträgt die Weinproduktion in Deutschland 2024 lediglich 7,75 Millionen Hektoliter, was knapp zehn Prozent weniger ist als im Vorjahr. Diese Zahlen liegen sogar unter der Schätzung des Statistischen Bundesamtes, welches im Oktober 2023 von mehr als 8,3 Millionen Hektolitern ausgeht. Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre ist das Minus sogar deutlich spürbar und beträgt 12 Prozent.

Wetterextreme als Hauptursache

Die Winzer kämpfen mit einer Reihe von Problemen. Starke Spätfröste im vergangenen Jahr führten zu erheblichen Ernteausfällen, während anhaltende Regenfälle und hohe Temperaturen Krankheiten in den Reben begünstigten. Hagel, Sturm und Starkregen taten ihr Übriges und schädigten die Ernte. Diese extremen Wetterlagen sind nicht nur ein saisonales Problem, sondern sind auch zunehmend eine Folge des Klimawandels, der Temperaturschwankungen und unberechenbares Wetter zur Norm macht. Landwirtschaft.de hebt hervor, dass solche Extremwetterereignisse, wie Hitzeperioden und langanhaltende Trockenheit, die Weinreben stark gefährden.

Die Vegetationsperiode der Reben wird durch den Klimawandel ebenfalls verschoben. Die Rebblüte und die Traubenreife finden heute häufig früher im Jahr statt, was dazu führt, dass die Lesereife teilweise bereits im September erreicht wird. Diese zeitlichen Verschiebungen haben Auswirkungen auf die Qualität und die Erntemengen der Weine.

Strategien zur Anpassung

Um den Herausforderungen zu begegnen, müssen Winzer neue Lösungen finden. Traditionelle Frostschutzmaßnahmen, wie Heizkerzen und Frostschutz-Beregnung, werden zunehmend wichtig. Auch der Einsatz von Bewässerungssystemen wird notwendig, um den Reben in Zeiten extremer Trockenheit ausreichend Wasser bereitzustellen. Jedoch ist diese Bewässerung kostenintensiv und erfordert eine vorhandene Infrastruktur. Zudem kann die Entnahme von Grundwasser langfristig die Böden versalzen.

Mit diesem Wissen ergreifen Winzer Maßnahmen, um den Risiken besser vorzubeugen. Neu gezüchtete, pilzwiderstandsfähige Rebsorten könnten eine Lösung gegen die bedrohlichen Pilzerkrankungen darstellen und das Sortenspektrum im Weinbau könnte sich ebenfalls ändern. Insbesondere der Anbau von roten Rebsorten wie ‚Merlot‘ und ‚Pinot‘ gewinnt an Bedeutung, während die Produktion von Rieslingen vermehrt in nördlichere Breiten verlagert wird.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Weinanbaugebiete in Deutschland an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen. Doch die aktuelle Situation zeigt, dass neben traditionellem Wissen auch moderne Techniken und eine agilere Herangehensweise notwendig sind, um die Weinproduktion nachhaltig zu sichern.