Die Gewerkschaft Verdi hat zu Warnstreiks bei der Deutschen Post aufgerufen. Diese Arbeitsniederlegungen sollen vor allem in den Paketzentren und in ausgewählten Briefzentren stattfinden. Verdi fordert eine deutliche Erhöhung der Entgelte und hat rund 170.000 Mitarbeiter dafür mobilisiert. Bis Mittwochmorgen sind insbesondere die Beschäftigten in den Spät- und Nachtschichten aufgerufen, in den Arbeitskampf einzutreten. In bestimmten Briefzentren, darunter Freiburg, Pforzheim, Waiblingen, Celle, Göttingen und Bremen, sind ebenfalls Streiks geplant. Das erklärte Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, um höhere Löhne durchzusetzen. Laut Südkurier happed auf die Inflation und die steigenden Lebenshaltungskosten reagiert.

Verdi strebt eine Tariferhöhung von 7 Prozent in einem 12 Monate laufenden Tarifvertrag an. Die Deutsche Post hingegen hat ein Angebot eingebracht, das lediglich eine Anhebung der Entgelte um 1,8 Prozent im ersten Jahr und später um 2,0 Prozent vorsieht. Darüber hinaus verlangt Verdi drei zusätzliche Urlaubstage für alle Beschäftigten sowie vier für ihre Mitglieder. Im Vergleich dazu bietet die Post nur einen zusätzlichen Urlaubstag für Mitarbeiter mit weniger als 30 Urlaubstagen an. Die Verhandlungen bisher waren ergebnislos, und die nächste Runde findet bereits am kommenden Montag statt.

Forderungen und frühe Reaktionen

Andrea Kocsis von Verdi betont die Notwendigkeit einer spürbaren Lohnerhöhung, um den gestiegenen Lebenshaltungskosten Rechnung zu tragen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass schon frühere Warnstreiks zu Verspätungen bei der Zustellung geführt haben. Ein Sprecher der Post äußerte Unverständnis über die Warnstreiks, vor allem da diese negative Auswirkungen auf die Kunden haben könnten.

Die ersten bundesweiten Warnstreiks fanden bereits am 28. Januar 2025 statt. Am 29. Januar wurden in ländlichen Regionen, mit Ausnahme der Stadtstaaten, vollschichtige Warnstreiks durchgeführt. Ab dem 4. Februar gab es in verschiedenen Bundesländern, darunter Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Bremen, Baden-Württemberg und Bayern, ganztägige Streiks. Trotz dieser Entwicklungen ist die Zustellung der Wahlunterlagen für die anstehenden Bundestagswahlen am 23. Februar 2025 gesichert. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzen die Briefwahl, was die rechtzeitige Zustellung der Unterlagen jedoch erschwert.

Der Kontext der Tarifverhandlungen

Tarifverhandlungen sind in Deutschland oft ein erheblicher Punkt in der Arbeitsmarktpolitik. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert, ist der Abdeckungsgrad durch Tarifverträge im deutschen Arbeitsmarkt in den letzten Jahrzehnten gesunken. Während 2000 noch 67 Prozent der Beschäftigten tariflich gebunden waren, lag dieser Anteil 2018 nur noch bei 54 Prozent. Besonders im öffentlichen Sektor sind jedoch nach wie vor hohe Tarifbindungsraten zu beobachten.

Die aktuelle Situation bei der Deutschen Post verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen Beschäftigte in der Dienstleistungsbranche stehen. Viele der Mitarbeiter verdienen weniger als das mittlere Einkommen in Deutschland und kämpfen darum, dass ihre Löhne mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten Schritt halten können. Die Entwicklungen der kommenden Tage könnten entscheidend dafür sein, ob Verdi und die Deutsche Post zu einem akzeptablen Ergebnis kommen.