Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) beleuchtet die Wahlpräferenzen von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Laut der Untersuchung[Tagesspiegel] zeigt sich, dass 55,5 Prozent der Wahlberechtigten mit türkischen oder arabischen Wurzeln eine Stimme für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in Betracht ziehen. Im Vergleich dazu liegt das Interesse unter Befragten ohne Migrationshintergrund bei 34,6 Prozent. Diese Zahlen spiegeln ein beträchtliches Wählerpotenzial wider, insbesondere in einer Zeit, in der die politische Landschaft in Deutschland zunehmend polarisiert wird.

Interessant ist auch, dass das Wählerpotenzial unter Personen mit Wurzeln in Russland oder der ehemaligen Sowjetunion etwa 41,6 Prozent beträgt. Die Studie befragte insgesamt 2.689 Personen und misst die Parteipräferenzen auf einer Skala von 1 bis 7. Dabei zeigt sich, dass ein gewisser Anteil der Wähler mit Migrationshintergrund, trotz der Anti-Islam-Rhetorik der AfD, dieser Partei potenziell zugeneigt ist. 19,7 Prozent der Befragten aus dem arabischen und türkischen Raum können sich vorstellen, die AfD zu wählen.

Migrationshintergrund und politische Repräsentation

Die repräsentative Studie legt einen politischen Fokus auf die Unterrepräsentation von Personen mit Migrationshintergrund im Bundestag und in den Landtagen. Während in der deutschen Bevölkerung fast 30 Prozent einen Migrationshintergrund aufweisen, sind es im Bundestag lediglich 11,4 Prozent der Abgeordneten[Deutschlandfunk]. In Landesparlamenten liegt der Anteil sogar nur bei 7,3 Prozent. Besonders auffällig ist die Situation in den Landtagen von Sachsen und Sachsen-Anhalt, wo die Anteile mit lediglich 0,8 bis 1,3 Prozent extrem gering sind.

Die Studie zeigt, dass die meisten Abgeordneten mit Migrationshintergrund überwiegend in linksliberalen Parteien wie den Grünen, der Linken und der SPD vertreten sind. Der Alt-Bundespräsident Christian Wulff betont die zentrale Rolle von Wählern mit Migrationsbiografie für die Demokratie und kritisiert, dass nur die AfD aktiv diese Wählergruppe anspricht[Deutschlandfunk].

Kritik am Wahlsystem

Die Migrationspolitik und die Wahrnehmung von Wählern mit Migrationshintergrund stehen im Kontext der aktuellen politischen Debatte. Kritiker bemängeln, dass die Parteien sich zu wenig um diese Wählergruppe bemühen und fordern ein Umdenken in der Ansprache und Wahrnehmung. In Deutschland ist das Wahlrecht an die deutsche Staatsbürgerschaft gekoppelt, welche die Teilhabe von vielen Migrantinnen und Migranten an politischen Prozessen einschränkt[Bundestag].

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wahlpräferenzen von Menschen mit Migrationshintergrund ein wichtiges Thema für die bevorstehenden Wahlen und die künftige politische Landschaft Deutschlands darstellen. Die Kombination aus einer hohen Zustimmung für neue politische Strömungen und einer gleichzeitig unzureichenden politischen Repräsentation wirft Fragen auf, die in der politischen Diskussion künftig intensiver behandelt werden müssen.