Die PCK-Raffinerie in Schwedt sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt, da sie seit Beginn des Öl-Embargos auf Rohöl aus Russland auf verschiedene Ölsorten aus aller Welt zurückgreifen muss. Infolgedessen wurde ein höherer Ausstoß von Schwefeldioxid festgestellt. Die Raffinerie hat beim Landesamt für Umwelt in Brandenburg eine Ausnahmegenehmigung beantragt, die es ihr erlauben würde, den Emissionswert für Schwefeldioxid auf 1.000 mg/Nm3 zu erhöhen, was fünfmal über dem gesetzlichen Grenzwert liegt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt vor einem möglichen Umweltskandal und droht mit einer Klage, falls diese Genehmigung erteilt wird. Jürgen Resch, Geschäftsführer der DUH, kritisiert, dass seit 2017 keine Investitionen in moderne Entschwefelungsanlagen getätigt wurden, obwohl die Raffinerie von hohen Gewinnen profitiert.
Die beantragte Ausnahmegenehmigung könnte schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt haben. Laut Resch seien die gesetzlichen Grenzwerte zur Reduktion schädlicher Emissionen essenziell, und die Nichteinhaltung dieser Vorschriften ist nicht akzeptabel. Der Genehmigungsentwurf bezieht sich auf das Embargo von russischem Rohöl als Grund für den Ausnahmeantrag. PCK führt an, dass durch die Nutzung von bis zu 20 verschiedenen Arten von Öl unvorhergesehene Betriebszustände nicht ausgeschlossen werden können.
Investitionen und Genehmigungen
Obwohl PCK Schwedt plant, 42 Millionen Euro in technische Anlagen zur Emissionseinhaltung zu investieren, stehen die vorgebrachten Vorwürfe im Raum. Der Genehmigungsentwurf wird bis Freitag öffentlich einsehbar sein, und Anwohner sowie Interessierte können Einwendungen gegen ihn erheben. Die Gemeinde Widuchowa in Polen hat bereits Widerspruch eingelegt und fordert umfassende Umweltuntersuchungen sowie Informationen für die betroffene Bevölkerung. Bürgermeister Pawel Wrobel betont die Notwendigkeit für Transparenz und Information, insbesondere im Hinblick auf angrenzende Gebiete, die betroffen sein könnten.
PCK Schwedt ist eine der größten Erdölraffinerien in Deutschland und versorgt 95% der Kraftstoffbedarfe in Berlin und Brandenburg. Ihre Hauptgesellschafter sind zwei Tochtergesellschaften des russischen Erdölkonzerns Rosneft, die seit September 2022 unter Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur stehen. Diese Verwaltung wurde nach der Verschärfung der geopolitischen Lage im Ukrainekonflikt notwendig.
Aktuelle Umweltauswirkungen
Eine Überprüfung der aktuellen Betriebspraxis zeigt, dass seit dem 1. Januar 2024 in der Raffinerie die Grenzwerte für Schwefeldioxid-Emissionen erheblich überschritten werden. Offizielle Proteste aus Polen haben die Diskussion über die Emissionen verstärkt, da die Auswirkungen der Raffinerie nicht nur die deutsche, sondern auch die polnische Umgebung betreffen.
Umweltbundesämter berichten, dass insgesamt 14 Raffinerien in Deutschland in Betrieb sind, die mit einer umfassenden Palette von Verfahren zur Steigerung der Effizienz und Reduktion der Emissionen beschäftigt sind. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, die Schwefeldioxidemissionen zu verringern. Maßnahmen zur Minderung beinhalten die Steuerung des Schwefelgehalts in Brennstoffen, den Einsatz von Rohöl mit niedrigerem Schwefelgehalt und technische Verbesserungen in der Abgasreinigung.
Die Diskussion um die PCK-Raffinerie in Schwedt verdeutlicht die komplexen Herausforderungen, die mit der Einhaltung von Umweltvorschriften, der Modernisierung von Anlagen und der Sicherstellung von Energieversorgung in einem sich verändernden geopolitischen Kontext verbunden sind. Während die PCK-Raffinerie vor der Notwendigkeit steht, ihre Emissionen zu kontrollieren und die allgemeinen Umweltstandards einzuhalten, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und welche Entscheidungen von den zuständigen Behörden getroffen werden.
Für weitere Informationen können Sie die Berichte auf rbb24, Deutsche Umwelthilfe und Umweltbundesamt nachlesen.