Die Tönnies Unternehmensgruppe plant eine bedeutende Übernahme, die die deutsche Schlachterbranche erheblich beeinflussen könnte. Tönnies beabsichtigt, den Vion-Schlachthof in Waldkraiburg zu übernehmen, der als der größte Rinderschlachthof in Europa gilt. Diese strategische Entscheidung folgt der Ankündigung von Vion, letztlich aus der deutschen Schlachterbranche auszutreten und seine Standorte zu verkaufen. Der Schlachthof in Waldkraiburg beschäftigt etwa 400 Mitarbeiter und verarbeitet bis zu 5.000 Rinder pro Woche. Mit der Übernahme strebt Tönnies auch die Übernahme weiterer Vion-Standorte in Buchloe, Crailsheim und Hilden sowie Häuteverarbeitungsbetriebe in Memmingen und Eching-Weichenau an, um ihre Beef-Kompetenzen in Süddeutschland zu erweitern und die Verarbeitungsstruktur für Rinder in dieser Region zu stärken, wie Tönnies berichtet.
Die Übernahme steht jedoch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Prüfungen. Das Tierschutz-Bündnis „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ hat beim Bundeskartellamt Beschwerde eingelegt, um die geplante Fusion zu stoppen. Diese Überprüfung ist ein essenzieller Schritt, um mögliche wettbewerbliche Bedenken hinsichtlich der Übernahme zu evaluieren. Die Behörde hat dafür eine Frist bis zum 22. April gesetzt, um zu einer Entscheidung zu kommen. Im Kontext dieser Entwicklungen gab es auch die Berichterstattung über die umstrittenen Praktiken in großen Schlachtbetrieben.
Proteste gegen Tierschutzverletzungen
Die Tierschutzorganisation Peta hat eine Anzeige gegen den Waldkraiburger Schlachthof sowie andere größere Schlachtbetriebe eingereicht. Peta argumentiert, dass das Töten von Tieren zu Nahrungszwecken gesetzeswidrig sei, da eine gesunde Ernährung ohne Fleisch möglich sei. Diese Position hat eine Welle von Protesten ausgelöst, die viele Unterstützer für eine humanere Behandlung von Tieren gewonnen hat.
Am 29. März wird eine Großdemonstration des Bündnisses „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ in Waldkraiburg stattfinden, die von Reden und musikalischen Darbietungen begleitet wird. Organisatoren rechnen mit etwa 200 Teilnehmenden, die in einem Demozug vom Stadtplatz zum Vion-Schlachthof ziehen werden, um auf die Missstände in der Tierhaltung aufmerksam zu machen.
Rechtliche Rahmenbedingungen im Tierschutz
Der Hintergrund dieser Proteste ist auch im Kontext der geplanten Änderungen des Tierschutzgesetzes zu sehen. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag die Verbesserung des Tierschutzes zur Priorität erklärt und ein Gesetzesentwurf vorgestellt, der verschiedene Regelungen anpassen soll. Ziel ist es, Defizite im Tierschutzbereich zu schließen und die rechtlichen Rahmenbedingungen an aktuelle wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse anzupassen.
Zu den geplanten Änderungen zählen unter anderem ein Verbot der Zucht von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen, die Einführung von Videoüberwachung in Schlachthöfen und die Erhöhung der Strafrahmen bei tierschutzrechtlichen Verstößen. Für das Töten von Tieren ohne „vernünftigen Grund“ kann die Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre betragen. Für die Misshandlung oder Tötung eines Tieres wird der Bußgeldrahmen auf bis zu 100.000 Euro vervierfacht. Diese umfänglichen Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Tierschutz als Staatszielbestimmung in Deutschland ernst genommen und stärker umgesetzt wird, berichtet das BMEL.