Die Situation rund um TikTok hat sich in den letzten Tagen dramatisch entwickelt. Wie LN Online berichtet, steht die beliebte Social-Media-Plattform in den USA vor einem drohenden Verbot. Der Verdacht, dass der chinesische Mutterkonzern ByteDance Nutzerdaten für politische Zwecke ausspioniert, hat zu massiven politischen Spannungen geführt. Die US-Regierung hat ByteDance ein Ultimatum gesetzt, bis zum 19. Januar den US-Ableger von TikTok an ein amerikanisches Unternehmen zu verkaufen. Andernfalls wird die App aus den App-Stores von Google und Apple verbannt.
Am 19. Januar war TikTok in den USA für zwölf Stunden nicht erreichbar. Berichten zufolge waren insbesondere deutsche Nutzer betroffen, die während eines USA-Aufenthalts Accounts erstellt hatten. Nach Ankündigungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, das Verbot bei seiner bevorstehenden Amtsübernahme auszusetzen, wurde TikTok wieder aktiviert. Dennoch bleibt unklar, ob ein amerikanischer Käufer für die Plattform gefunden werden kann, was die Zukunft von TikTok in den USA weiterhin in Frage stellt.
Globale Implikationen und Konkurrenz
Die Auswirkungen eines potenziellen Verbots könnten beispiellos sein, insbesondere für ByteDance, das mit einem geschätzten Wert von 300 Milliarden US-Dollar das zweithöchste privatwirtschaftliche Technologieunternehmen weltweit ist. Laut New York Times hat TikTok allein in den USA rund 170 Millionen monatliche Nutzer. Die App erzielt große Einnahmen über Werbung und den TikTok Shop, was sie für die US-Nutzer besonders wertvoll macht. Im Jahr 2022 betrugen die geschätzten Einnahmen von TikTok in den USA 10 Milliarden US-Dollar.
Die Situation wird als ähnliches Dilemma wie das Verbot in Indien im Jahr 2020 angesehen, bei dem TikTok 200 Millionen Nutzer verlor, jedoch in anderen Regionen wieder an Popularität gewann. Die Unsicherheit über die Zukunft von TikTok wird weiterhin durch das potenzielle Zwangsverkaufsgesetz, das US-Präsident Joe Biden unterzeichnet hat, verstärkt. Bereits im Februar 2023 wurde TikTok auf kanadischen Diensthandys verboten, und die kanadische Regierung plant, die Geschäftstätigkeit von TikTok bis Ende 2025 zu beenden.
Sicherheitsbedenken und politische Spannungen
Angesichts der globalen Sorgen über datenschutzrechtliche und sicherheitstechnische Aspekte sieht sich TikTok immer wieder in einem kritischen Licht. Laut Watson wird die App nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Ländern wie Indien und Afghanistan vollständig verboten. In Indonesien, Russland und Bangladesch sind gewisse Inhalte oder Versionen der App nicht erlaubt. Experten warnen, dass ein Verbot von TikTok die Risiken im Zusammenhang mit der App nicht beseitigen kann, und kritisieren, dass die Schließung der Büros in Kanada aufgrund von Sicherheitsüberprüfungen nationale Sicherheitsinteressen verletzt.
Für deutsche Nutzer bleibt die App vorerst uneingeschränkt nutzbar. Ein Verbot ist in Deutschland derzeit nicht geplant. Dennoch könnten bei Reisen in die USA Probleme auftreten. Nutzer, die amerikanische WLAN-Hotspots nutzen, könnten Schwierigkeiten bei Updates oder Neuinstallationen erleben. Allerdings sollten Nutzer, die TikTok über mobile Daten oder eine VPN-Verbindung aufrufen, keine Einschränkungen haben.
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein, um zu sehen, wie sich diese Situation weiterentwickelt und ob ByteDance einen Käufer für den US-Ableger von TikTok finden kann, um ein endgültiges Verbot zu verhindern.