Auf dem Reitenberg bei Bischofroda in Westthüringen steht die Windkraftanlage WK 23-4-75. Diese Anlage ist eine von 867 Windkraftanlagen in Thüringen, die gemeinsam eine beeindruckende Leistung von 1.833 Megawatt erzeugen. Erneuerbare Energien machen bereits 68 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Thüringen aus, wobei 54,4 Prozent dieser Energie aus Windkraft stammen, wie MDR berichtet.

In den vergangenen zehn Jahren haben die Parteien Die Linke, SPD und Grüne die Landesregierung gestellt und den Ausbau der Windkraft maßgeblich vorangetrieben. Kürzlich forderte der Bund, dass Thüringen 2,2 Prozent seiner Landesfläche als Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausweist. Aktuell sind es jedoch nur 0,8 Prozent. Widerstand gegen die Windkraftnutzung kommt sowohl von Anwohnern als auch durch spezifische Landesgesetze, die bei der Errichtung von Windkraftanlagen im Wald besondere Abwägungen verlangen.

Politische Weichenstellungen

Die neue Landesregierung, bestehend aus CDU, BSW und SPD, hat angekündigt, an den bestehenden Gesetzen festzuhalten. Thomas Gottweiss von der CDU äußerte die Hoffnung auf eine Korrektur der Flächenziele, sobald die derzeitige Bundesregierung ihre Amtszeit beendet hat. Er plädiert für die Festlegung von Erzeugungszielen, die auf den regionalen Bedarf abgestimmt sind. In diesem Zusammenhang setzt die CDU vor allem auf Re-Powering, das den Austausch alter Windkraftanlagen durch moderne, effizientere Modelle vorsieht.

Ökologische Bedenken

Die Debatte über Windkraft beschränkt sich jedoch nicht nur auf die politischen Aspekte, sondern umfasst auch ökologische Überlegungen. Während es Bedenken hinsichtlich der Gefahren für Vögel und Insekten gibt, wird der Einfluss von Windkraftanlagen auf die Fauna im Vergleich zu anderen Bedrohungen wie Bebauung, Verkehr und intensiver Landwirtschaft als vergleichsweise gering eingeschätzt. Besonders das Insektensterben, das durch Ackergifte und Versiegelung der Böden verursacht wird, hat weitreichende Konsequenzen für Feldvögel.

Studien, wie das Life-Eurokite-Projekt der EU, weisen darauf hin, dass Greifvögel vor allem durch illegale Vergiftungen der Raubtiere gefährdet sind. Diese Tötungen resultieren häufig aus der Anwendung von Pestiziden und deren Sekundärvergiftung durch die Nahrungskette. Zudem muss bei der Planung neuer Windkraftanlagen darauf geachtet werden, potenzielle Risiken für die Tierwelt zu minimieren. Der Thüringer Windenergieerlass von 2016 legt klare Obergrenzen und Tabuzonen im Naturschutz fest.

In Thüringen sind Nationalparks, Naturschutzgebiete sowie Gebiete unter dem Natura 2000-Schutz weitestgehend von der Windkraftnutzung ausgenommen. Allerdings können Änderungen der Rechtsgrundlagen es ermöglichen, auch in einigen Naturparks und Landschaftsschutzgebieten Vorranggebiete für Windkraft zu schaffen. Letztlich liegt die Verantwortung für die Anwendung des Erlassrahmens in den Händen der regionalen Planungsgemeinschaften, wie auch die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) oder UVP-Vorprüfungen gesetzlich vorschreiben.