Der Gletscherschwund ist ein drängendes globales Problem und hat weitreichende Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Gletschereis ist nicht nur ein bedeutendes Süßwasserreservoir, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle in der Landwirtschaft, der Trinkwasserversorgung und der Industrie. Laut der Weltwetterorganisation (WMO) haben die Gletscher weltweit seit 1976 etwa 9.200 Gigatonnen Eis verloren, was einem Eisblock in der Größe Deutschlands entspricht. Diese alarmierende Entwicklung wurde am 21. März, dem ersten Welttag der Gletscher, thematisiert.

Die Schmelze hat seit 2000 den Meeresspiegel um 18 Millimeter erhöht, was bedeuten könnte, dass 200.000 bis 300.000 Menschen einem erhöhten Überflutungsrisiko ausgesetzt sind. Alle 19 Gletscherregionen der Welt verzeichnen seit drei Jahren signifikante Verluste, die so stark sind wie seit den 1970er Jahren nicht mehr. Die Gletscher und die Eisschilde der Antarktis und Grönlands halten insgesamt 70 % der weltweiten Süßwasserressourcen, was die Dringlichkeit der Situation unterstreicht. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo betont die Notwendigkeit dringender Maßnahmen zur Erhaltung dieser lebenswichtigen Ressourcen (bnn.de).

Wachsende Gletscherschmelze

Laut einer aktuellen Studie, die unter der Leitung des World Glacier Monitoring Service (WGMS) an der Universität Zürich durchgeführt wurde, verlieren Gletscher seit dem Jahr 2000 durchschnittlich 273 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Diese Menge entspricht dem fünf- bis sechsmaligen Volumen des Bodensees und hat sich seit 2012 deutlich erhöht. Von 2000 bis 2011 betrug die jährliche Schmelze 231 Milliarden Tonnen, während sie in den letzten zehn Jahren auf 314 Milliarden Tonnen pro Jahr gestiegen ist (geo.uzh.ch).

Insgesamt haben Gletscher von 2000 bis 2023 etwa 6.542 Milliarden Tonnen Eis verloren. Diese Menge ist 18 % größer als der Verlust des grönländischen Eisschildes und mehr als doppelt so groß wie der des antarktischen Eisschildes. Regional variiert der Eisverlust stark: Während antarktische und subantarktische Inseln nur einen Verlust von 2 % verzeichnen, sind es in Mitteleuropa bereits 39 % (fau.de).

Globale Auswirkungen

Die Ergebnisse der Forschung zeigen deutlich, dass Gletscher nach der Erwärmung der Ozeane die zweitgrößten Verursacher des globalen Meeresspiegelanstiegs sind. Der jährliche Verlust von Gletschereis trägt mit etwa 0,75 Millimetern pro Jahr erheblich zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Da Gletscher als wichtige Süßwasserspeicher fungieren, ist ihr Schwinden nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch eine Bedrohung für die Wasserversorgung weltweit.

Die an der Studie beteiligten 35 Forschungsteams aus rund 450 Institutionen haben Daten aus verschiedenen Beobachtungsmethoden analysiert, um ein umfassendes Bild der Gletschermassenänderungen zu gewinnen. Dies zeigt, wie dringlich und umfassend das Thema der Gletscherschmelze ist und welche Maßnahmen erforderlich sind, um die verbleibenden Gletscher zu schützen und deren Schmelze zu verlangsamen.