Militärische Forschung und deren Innovationspotenzial stehen im Zentrum der aktuellen Diskussion über die Zukunft der Verteidigungsindustrie. Dr. Sarah Stanske von der Leuphana Universität untersucht, wie Innovationen in militärischen Einrichtungen angesichts wachsender Kriegsgefahr realisiert werden können. Laut Stanske ist die Rüstungsindustrie nicht nur wesentlich für bedeutende technische Entwicklungen wie Mobiltelefone und Internet, sondern auch Startups spielen eine entscheidende Rolle in diesem Bereich. Sie hebt hervor, dass es an der Zeit ist, neue Wege der Zusammenarbeit, Innovation und Organisation einzuschlagen, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Ihre Forschungsmethodik umfasst qualitative Fallstudien, Interviews und ethnografische Ansätze, bei denen sie insbesondere die Hürden analysiert, die innovative Prozesse in militärischen Einheiten blockieren oder fördern können.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf der digitalen Transformation, dem Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie der Personalführung. Stanske thematisiert auch den Umgang mit Dystopien, wie potenziellen Kriegen und der Kürzung von Geldern für den öffentlichen Rundfunk. Sie erläutert, dass Innovationen oft auf dystopische Szenarien reagieren, die jedoch häufig zu ambitioniert sind und in der Umsetzung scheitern.
Aufstrebende Defense-Tech-Startups
Parallel zu den Forschungen von Dr. Stanske gibt es in Deutschland eine wachsende Anzahl von Defense-Tech-Startups, die moderne Technologien für die Verteidigung entwickeln. Der Verteidigungsetat wurde für 2024 auf 71,75 Milliarden Euro erhöht, was zusätzliche Ressourcen für Entwicklungen im Verteidigungssektor bereitstellt. Startups wie Arx Robotics spielen hierbei eine entscheidende Rolle, indem sie innovative Lösungen anbieten, die sowohl militärische als auch humanitäre Einsätze unterstützen.
Arx Robotics, gegründet von drei ehemaligen Bundeswehr-Offizieren, hat einen autonomen Mini-Panzer entwickelt, der bereits in der Ukraine zum Einsatz kommt. Die Firma hat sogar eine eigene Fabrik in der Ukraine etabliert, um die Produktion ihrer Technologien zu unterstützen. Die Mini-Panzer sind auf moderne KI-Technologie ausgelegt und können kostengünstig in großen Stückzahlen produziert werden. Marc Wietfeld, einer der Gründer, betont, dass Startups keine Konkurrenz zu den großen Rüstungsfirmen darstellen, sondern vielmehr eine wichtige Komponente für die schnelle Aufrüstung der europäischen Streitkräfte sind.
Technologische Innovationen in der Verteidigung
Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel ist das Bremer Startup Polaris, das an einem wiederverwendbaren Raumflugzeug für Hochgeschwindigkeitsaufklärung arbeitet, das bis 2030 einsatzbereit sein soll. Generell zeigen diese Entwicklungen, dass Technologien für Drohnenabwehr, Robotik und KI zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das Unternehmen Helsing, das als erstes europäisches Defence-Tech-Einhorn gilt, ist ein weiteres Beispiel, das KI-gestützte Lösungen für militärische Systeme wie Panzer und U-Boote entwickelt.
Laut einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft werden 80% des europäischen Militärbedarfs außerhalb der EU beschafft, hauptsächlich aus den USA. Experten empfehlen daher eine stärkere Förderung europäischer Anbieter, insbesondere kleinerer „Dual Use“-Hersteller. Der Palladion Defence Accelerator an der Universität der Bundeswehr München bietet hierbei Unterstützung für Startups im Verteidigungsbereich. Diese Initiativen sind entscheidend, um innovative Produkte schneller auf den Markt zu bringen und die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken.
Insgesamt zeigen die Entwicklungen in der Rüstungsindustrie, dass Innovationen, unterstützt durch geeignete Richtlinien und Ressourcen, entscheidend sein können, um den Herausforderungen der Zukunft angemessen zu begegnen.