Der Bundestag hat Ende Januar 2025 eine grundlegende Reform des Emissionshandels beschlossen, die erhebliche Auswirkungen auf die Kraftstoffpreise in Deutschland haben wird. Diese Reform beinhaltet die Ausweitung des Emissionshandels auf den Gebäudesektor und den Straßenverkehr und könnte dazu führen, dass der Spritpreis bis 2027 um bis zu 38 Cent steigt. Aktuell gilt ein fester nationaler CO2-Preis für fossile Brennstoffe, der bis 2027 angepasst wird, um zukünftige Preisanstiege zu generieren. Nach den neuen Regelungen werden die CO2-Preise ab 2027 an einer europaweiten Börse gebildet und somit den Marktmechanismen unterworfen.

Die Reform ist Teil eines umfassenden Plans zur Erreichung der EU-Klimaziele, die eine Senkung der Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 vorsehen. Ab Januar 2025 wird eine Tonne CO2 zum Preis von 55 Euro gehandelt, was ab 2026 auf 55 bis 65 Euro ansteigt. Ab 2027 wird im Rahmen des neuen ETS-II-Systems eine noch strengere Regelung für Unternehmen in Kraft treten, die verpflichtet sind, CO2-Zertifikate zu erwerben. Die Anzahl dieser Zertifikate wird von der EU schrittweise reduziert, was Harald Bär, ein Experte im Bereich Klimaschutz, als notwendigen Schritt zur Erreichung der Klimaziele sieht.

Auswirkungen auf die Verbraucher

Der ADAC warnt, dass die CO2-Preise nicht nur sprunghaft ansteigen können, sondern auch direkt auf die Kraftstoffpreise durchschlagen werden. Ein CO2-Preis von 200 Euro pro Tonne könnte demnach den Benzinpreis erheblich erhöhen. Auch die Einkommensschwächeren sind besonders betroffen, da diese tendenziell einen größeren Anteil ihres Einkommens für Energie und Mobilität aufwenden. Der neue Klimasozialfonds, der mit 65 Milliarden Euro dotiert ist, soll diese sozialen Härten abfedern. Doch ohne ausreichende soziale Ausgleichsmechanismen könnte die CO2-Bepreisung soziale Ungerechtigkeiten verschärfen.

Ein ADAC-Experte, Stefan Gerwens, prognostiziert, dass sich der CO2-Preis bis 2027 mindestens verdoppeln wird. Der Verkehrsbetrieb in ländlichen Regionen ist besonders anfällig, da die Bevölkerung dort stärker auf Autos angewiesen ist. Ohne spezifische Entlastungen könnte dies soziale Spannungen verschärfen. Initiativen wie die dauerhafte Erhöhung der Pendlerpauschale und die Einführung eines Klimageldes stehen dabei zur Diskussion, um die Betroffenen zu unterstützen.

Komplexität des Systems

Die Einführung des Emissionshandels bringt auch Herausforderungen für Unternehmen mit sich, die höheren Produktionskosten ausgesetzt sind. Eine solche CO2-Bepreisung könnte die Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Unternehmen auf dem internationalen Markt gefährden. Der Begriff „Carbon Leakage“ beschreibt die Gefahr, dass Unternehmen ihre Produktion in Länder mit laxeren CO2-Vorgaben verlagern, was langfristige negative Folgen für die deutsche Wirtschaft haben könnte.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Reform des Emissionshandels sowohl Chancen für den Klimaschutz als auch Herausforderungen für die Gesellschaft birgt. Die erfolgreiche Umsetzung wird stark von der Verwendung der gesammelten Einnahmen abhängen, da Investitionen in Klimaschutzprojekte und soziale Ausgleichszahlungen entscheidend für die Akzeptanz solcher Maßnahmen sind.

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