In Baden-Württemberg soll die Zahl der Elterntaxis bis 2030 um 50 % reduziert werden. Diese Initiative resultiert aus wachsenden Sorgen über das Verkehrschaos vor Schulen, das häufig durch hupende Autos und verstopfte Straßen verursacht wird. Besonders alarmierend ist der Anstieg der Schulunfälle, der im Jahr 2023 von 357 auf 427 Fälle stieg, wobei die Anzahl verletzter Kinder von 369 auf 440 anstieg und tragischerweise ein Kind starb. Schätzungen zufolge kommt etwa jeder sechste Schüler mit dem Auto zur Schule, was die Verkehrssituation weiter verschärft. Die Erhebung über die Anzahl der Elterntaxis stammt aus der Mobilitätsstudie von 2017, während neue Daten noch im Jahr 2025 erwartet werden. Das Verkehrsministerium hat das Programm „Movers“ ins Leben gerufen, um Familien von den Autofahrten abzubringen und mehr Schülerinnen und Schüler zum Zu-Fuß-Gehen, zum Fahren mit Tretrollern oder zum Radfahren zu animieren.
Seit 2022 stehen Schulen und Kommunen ausgebildete Berater zur Verfügung, die mehr als 1.000 Schulen und 360 Kommunen bis Ende 2024 beraten haben. Die Kampagne läuft unter der Schirmherrschaft von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der betont, dass eine solche Initiative notwendig ist, um die Sicherheit der Kinder auf ihrem Schulweg zu erhöhen. Trotz dieser Bemühungen glauben Experten, dass die Anzahl der Elterntaxis nicht gesunken ist. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bezeichnet die Kampagne zwar als guten Ansatz, fordert jedoch zusätzliche finanzielle Mittel, um sie effektiver umzusetzen. Eltern betrachten das Fahren zur Schule häufig als eine Art Fürsorgeleistung, was einen Wandel in den gewohnten Verhaltensmustern erschwert.
Kampagne gegen Elterntaxis
Im Jahr 2022 gestartet, hat die Kampagne gegen Elterntaxis einen Budgetrahmen von 1,2 Millionen Euro. Ziel ist es, die Anzahl der Elterntaxis in Baden-Württemberg bis 2030 signifikant zu reduzieren. Trotz dieser finanziellen Unterstützung zeigen Umfragen, dass etwa 17-22% der Eltern ihre Kinder noch immer mit dem Auto zur Schule bringen. Bei einer Schule mit 1.000 Schülern stehen zu Stoßzeiten rund 170 Autos gleichzeitig vor der Tür, was nicht nur den Verkehr aufhält, sondern auch sicherheitsrelevante Risiken für andere Schüler mit sich bringt. Laut einer Umfrage lehnen 86% der Befragten das Autofahren für Grundschüler ab, was die Diskrepanz zwischen der Meinung der Eltern und ihrem Verhalten verdeutlicht.
Verkehrsexperte Simon Höhner erwähnt, dass Kinder am sichersten zur Schule kommen, wenn sie laufen. Dennoch bringen laut einer Forsa-Umfrage 23% der Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, während 25% mit dem Fahrrad und 32% zu Fuß gehen. Bei den Hauptgründen für das Autofahren spielen die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, Zeitmangel und die Lage der Schule auf dem Arbeitsweg eine entscheidende Rolle. Nur 19% der Eltern empfinden den Weg zur Schule als zu gefährlich, was zeigt, dass der Großteil der Eltern bereit ist, ihre Kinder selbstständig zur Schule gehen zu lassen.
Schulstraßen und Sicherheitsinitiativen
In verschiedenen Städten gibt es Bestrebungen zur Einführung von Schulstraßen, um die Sicherheit vor Schulen zu erhöhen. In Köln werden solche Projekte bereits getestet, indem Straßen vor und nach dem Unterricht gesperrt werden. Pilotprojekte, wie in Frankfurt-Sachsenhausen, zeigen positive Ergebnisse: Der Anteil der Elterntaxis dort ist rückläufig. Dennoch stehen in Deutschland die rechtlichen Grundlagen für Schulstraßen auf der Kippe, da eine Novelle der Straßenverkehrsordnung am Widerstand des Bundesrats gescheitert ist. Diese Entwicklungen verdeutlichen die dringende Notwendigkeit, das Thema Schulweg-Sicherheit und den Rückgang von Elterntaxis insgesamt in den Fokus zu rücken.
Die Problematik ist nicht nur ein lokales Phänomen, sondern betrifft viele Regionen in Deutschland. Initiativen, wie der von ACE gestartete Aktionstag „Goodbye Elterntaxi“, setzen sich verstärkt für ein Umdenken bei Eltern und Schulen ein. Es bleibt abzuwarten, ob die getroffenen Maßnahmen und Kampagnen dauerhaft zu einem gesünderen und sichereren Schulweg für die Kinder führen werden.