In einem erschütternden Fall, der in Frankreich für große Empörung sorgt, wurde Dominique Pelicot wegen schwerer Vergewaltigung verurteilt. Die Urteilsverkündung fand kurz vor Weihnachten statt, als das Gericht in Avignon die Strafe für Pelicot verkündete, der seine Frau Gisèle über einen Zeitraum von fast zehn Jahren systematisch betäubte und missbrauchte. Dabei hatte er die Internetplattform „Coco“ genutzt, um seine Frau an andere Männer zur Vergewaltigung anzubieten. Diese Plattform spielte eine zentrale Rolle in den Ermittlungen zu den schweren sexuellen Übergriffen.
Die Ermittlungen haben bereits zu einem umfangreichen Fall geführt, in dem mehr als 23.000 Straftaten, die über „Coco“ begangen worden sein sollen, der Justiz gemeldet wurden. Über 480 Opfer sind seit Beginn der Ermittlungen identifiziert worden. Vor diesem Hintergrund ergriffen die Behörden im Sommer Maßnahmen zur Schließung der Webseite „Coco“ und froren die damit verbundenen Bankkonten ein. Zwei Server der Plattform befanden sich in Deutschland, was die internationale Dimension des Falls verdeutlicht.
Dominique Pelicots Geständnis und die Reaktionen der Staatsanwaltschaft
Dominique Pelicot gestand, seine Frau über Jahre hinweg mit Schlafmitteln betäubt und vergewaltigt zu haben. Laut den Ermittlern gehen Schätzungen von etwa 200 Vergewaltigungen aus. Staatsanwältin Laure Chabaud forderte im Verlauf des Prozesses die Höchststrafe von 20 Jahren Haft für ihn, beschrieb jedoch diese Strafe als „zu wenig“ angesichts der Schwere seiner Taten. Gisèle Pelicot bezeichnete ihre Ankunft im Gericht als einen „bewegenden Moment“ und entschied sich gegen einen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Insgesamt sind gegen 51 Männer Ermittlungen im Gange, die an den Vergewaltigungen beteiligt gewesen sein sollen, wobei 35 Angeklagte die Vorwürfe zurückweisen, trotz erdrückender Beweislage durch eine Vielzahl an Fotos und Videos, die Pelicot von seinen Taten gemacht hatte. Die Plädoyers sollen bis Mittwoch andauern.
Zusammenhang zu aktuellen Trends in Deutschland
Parallel zum Avignon-Prozess berichtet das Bundeskriminalamt (BKA) von einem alarmierenden Anstieg von Sexualdelikten gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland. 2023 wurden 16.375 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern registriert, was einem Anstieg von 5,5 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Insgesamt hat sich die Zahl solcher Delikte seit 2019 mehr als verdreifacht. Die Bundesregierung fordert eine verstärkte Speicherung von IP-Adressen zur besseren Identifizierung von Tätern, um sexueller Gewalt im digitalen Raum effektiver zu begegnen.
Die erwähnten Taten von Pelicot und die 23.000 gemeldeten Delikte stellen einen beunruhigenden Trend über Ländergrenzen hinweg dar, der auf die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit in der Bekämpfung von sexualisierter Gewalt hinweist. Die Tatsache, dass Täter häufig aus dem Umfeld der Opfer stammen, macht die Problematik noch drängender.
Der Fall Pelicot schockiert nicht nur Frankreich, sondern wirft auch Fragen zu den unerforschten Dimensionen des Missbrauchs im Internet auf. Die Schließung von „Coco“ und laufende Ermittlungen könnten neue Ansätze in der Bekämpfung solcher Plattformen und ihrer Betreiber nach sich ziehen.
Die Vollstreckung des Urteils und die weiteren Schritte im Ermittlungsverfahren könnten wegweisend für zukünftige Strafverfahren gegen ähnliche Delikte sein und sind von großer Bedeutung in einer Zeit, in der die Zahl der Sexualdelikte im Internet stetig ansteigt.