In der Kieler Pflanzenforschung hat die Professorin Eva Stukenbrock bedeutende Fortschritte gemacht, indem sie das „Kiel Plant Center“ (KPC) gegründet hat. Ziel dieser Initiative ist es, Pflanzenforschende in der Kieler Region zu bündeln und Kooperationen zu stärken. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit der DFG-geförderten Forschungsgruppe „PlantsCoChallenge“, deren Leitung sie übernommen hat. Ihre umfassende internationale Vernetzung, unter anderem als Fellow des Canadian Institute for Advanced Research (CIFAR) und Mitglied der Académie de Sciences in Paris, bekräftigt ihre Position in der globalen Forschungslandschaft. Zusätzlich ist Stukenbrock außerordentliche Professorin an der Universität von Pretoria, Südafrika.
Am Plöner Institut wird sie die Max-Planck-Fellow-Gruppe „Umweltgenomik“ weiterführen. Diese Gruppe fokussiert auf die Anpassungen von Mikroorganismen, pflanzlichen Wirtsorganismen und deren Umwelt. Ein zentrales Forschungsthema ist der pflanzenschädliche Pilz Zymoseptoria tritici, dessen molekulare Mechanismen zur adaptiven Evolution und Diversifikation untersucht werden.
Übergabe der Zymoseptoria-Sammlung
Ein weiterer wichtiger Schritt in Stukenbrocks Forschung ist die Übernahme einer umfassenden Sammlung von Zymoseptoria tritici, die Professor Gert Kema, Leiter der Phytopathologie an der Wageningen University, über 30 Jahre hinweg aufgebaut hat. Diese Sammlung umfasst nahezu 8.000 Proben und gilt als die größte und bedeutendste weltweit. Kema, der sich künftig auf den Bananenpathogen Fusarium konzentrieren wird, übergab seine Sammlung feierlich an Stukenbrock am 5. September 2023 während des Kiel Plant Center Summer Events. Kema betonte die anhaltende Bedrohung, die Zymoseptoria tritici für den globalen Weizenanbau darstellt.
Die Forschung zu Zymoseptoria tritici ist von essenzieller Bedeutung, da die Erkrankung die Erträge von Weizenfeldern erheblich mindert und somit ein Risiko für die Ernährungssicherheit darstellt. Besondere Herausforderungen ergeben sich durch den Klimawandel, der Regionen wie Nord-Europa verstärkt für das Wachstum von Fäulnispilzen geeignet macht. Kema fordert daher neue Schutzstrategien, um den Herausforderungen durch diesen Pilz erfolgreich begegnen zu können.
Nachhaltige Pflanzenschutzstrategien
Stukenbrock sieht in der Zymoseptoria-Sammlung eine wertvolle Forschungsressource. Diese soll genutzt werden, um das Verständnis der Evolution des Pathogens im Hinblick auf den Einsatz von Fungiziden und die Auswirkungen des Klimawandels zu vertiefen. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger Pflanzenschutzstrategien, die auf Erkenntnissen zur evolutionären Anpassung von Schädlingen und Pflanzen basieren.
In einem größeren Kontext wird auch die Notwendigkeit betont, landwirtschaftliche Systeme resilienter zu gestalten. Der Klimawandel bedroht die globale Ernährungssicherheit durch extreme Wetterereignisse, was den Druck auf Landwirt:innen erhöht, die beständig gegen Schädlinge und Krankheiten ankämpfen müssen. Strategien wie gemischter Anbau könnten dabei helfen, die Ausbreitung von Krankheiten zu verlangsamen und damit die Nahrungsmittelproduktion zu sichern.
Des Weiteren ist es entscheidend, dass Forschungsergebnisse schnell und effektiv in die Praxis umgesetzt werden. Partnerschaften zwischen Wissenschaftlern, Landwirten und Verbrauchern spielen hierbei eine zentrale Rolle. Über neue Technologien wie CRISPR/Cas sollte ein offener Dialog geführt werden, um deren Potenzial zur Verbesserung der Ressilienz von Pflanzen zu realisieren und gleichzeitig Vorurteile abzubauen.