Ein öffentlicher Trauerzug für die in den letzten Wochen ermordete Schiri Bibas und ihre beiden Söhne Kfir und Ariel hat heute in Israel begonnen. Zehntausende von Menschen haben sich versammelt, um der Familie die letzte Ehre zu erweisen. Laut der israelischen Nachrichtenseite Jüdische Allgemeine waren viele Trauergäste mit orangefarbenen Luftballons und Schildern mit der Aufschrift „Entschuldigung“ ausgestattet, was die tragische Lage unterstrich. Augenzeugen berichteten von einer bedrückenden Stimmung und Tränen in den Augen der Anwesenden.

Die Särge von Schiri Bibas und ihren Söhnen wurden aus einer Stadt im Großraum Tel Aviv abgeholt und in den Süden des Landes transportiert. Der Vater der Kinder hatte vor Kurzem die Freiheit erlangt, nachdem er aus der Gewalt der Hamas befreit wurde, und begleitete die Särge auf ihrem letzten Weg. Die Beisetzung der Familie wird für den Vormittag in der Nähe ihres Heimatortes Nir Oz geplant, wo eine private Zeremonie auf Wunsch der Familie stattfinden soll. Trauerreden sollen zudem live übertragen werden.

Hintergrund der Tragödie

Schiri Bibas und ihre beiden Söhne wurden von der Hamas getötet, und ihre Leichname wurden erst kürzlich übergeben. Am Freitag übergab die Hamas die Leiche von Schiri Bibas, einen Tag nachdem die sterblichen Überreste ihrer Kinder überreicht wurden. Dies geschah im Rahmen einer hochumstrittenen Inszenierung, die international scharfe Kritik auslöste. Ein zusätzlicher Sarg, den die Hamas an das Rote Kreuz übergab, enthielt die Leiche einer unbekannten Frau. Während die israelische Armee berichtete, dass die Kinder im November 2023 brutal ermordet wurden, behauptet die Hamas, sie seien bei einem israelischen Luftangriff getötet worden.

Kfir war erst neun Monate alt, während Ariel zum Zeitpunkt ihrer Entführung und seines Todes vier Jahre alt war. Die Übergabe der Leichname löste in Israel große Empörung aus, da die Inszenierung in Chan Junis die Trauer um die Familie auf eine schmerzhafte Weise zur Schau stellte. Videoaufnahmen der Familie während ihrer Entführung symbolisieren das verheerende Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023, das nationenübergreifend betroffen machte.

Trauerkultur im Wandel

Die aktuelle Situation wirft auch eine Reihe tiefergehender Fragen zur Trauerkultur auf. Hinderk Emrich, Direktor am Zentrum Psychologische Medizin der medizinischen Hochschule Hannover, erklärt, dass die traditionellen Trauerrituale der Religionen zunehmend durch neue Ausdrucksformen ersetzt werden. Die öffentliche Wahrnehmung von Trauer hat sich verändert, und viele Trauernde fühlen sich hilflos im Umgang mit ihren Verlusten.

In der heutigen Gesellschaft sei die Zeit zwischen Tod und Bestattung oft an so genannte Todes-Profis delegiert, was den persönlichen Kontakt zu Verstorbenen verringert. Emrich hebt hervor, dass der individuelle Trauerprozess einen geeigneten Rahmen benötigt, um sich angemessen ausdrücken zu können.

Diese Veränderungen in der Trauerbewältigung zeigen sich besonders in großen Zeremonien, die das Bedürfnis der Gesellschaft nach gemeinsamen Erinnerungsritualen widerspiegeln – eine Herausforderung, die auch beim Trauerzug für die Familie Bibas offensichtlich wird.