Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) hat die Leitung für ein neues europäisches Forschungsprojekt übernommen, das sich auf rheumatoide Arthritis (RA) und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) konzentriert. Dieses Projekt, betitelt als PerPrev-CID, wird mit insgesamt 11 Millionen Euro aus dem EU-Programm „Horizon Europe“ sowie 2,5 Millionen Euro von der Schweizer Regierung finanziert. Bis 2030 wird prognostiziert, dass mehr als 10% der europäischen Bevölkerung von diesen chronisch-entzündlichen Erkrankungen betroffen sein werden. Ziel des Projekts, das am 1. Januar 2025 startete und über fünf Jahre laufen wird, ist die Entwicklung neuer Standards in Diagnostik und Behandlung dieser weit verbreiteten Erkrankungen. Precision Medicine berichtet, dass 15 Forschungseinrichtungen aus acht Ländern an dieser internationalen Kooperation teilnehmen.
Chronisch-entzündliche Erkrankungen wie RA und CED stellen Störungen des Immunsystems dar, die zu unkontrollierten Entzündungen und Gewebeschäden führen können. Aktuell existieren keine Mittel zur Vorbeugung und frühzeitigen Behandlung dieser Krankheiten. Ein zentrales Forschungsziel von PerPrev-CID liegt in der frühzeitigen Erkennung der Krankheitsentwicklung, was durch innovative Werkzeuge und Methoden unterstützt werden soll. Es werden unter anderem Omics-Analysen verwendet, um Merkmale zu identifizieren, die den Krankheitsverlauf vorhersagen können.
Zusammenhänge zwischen Darm und rheumatoider Arthritis
Ein weiterer Aspekt, der in der Forschung zur RA zunehmend in den Fokus rückt, ist der Zusammenhang zwischen dem intestinalen Mikrobiom und der Erkrankung. Laut der Pharmazeutischen Zeitung zeigen aktuelle Studien, dass Störungen der Darmflora und der Darmbarriere eine entscheidende Rolle im Krankheitsgeschehen der RA spielen. Ein Beispiel einer Untersuchung aus dem Jahr 2020 belegt, dass erhöhte Zonulin-Werte bei Rheumapatienten mit einer undichten Darmbarriere assoziiert sind, was zur Entstehung weiterer Autoimmunerkrankungen beitragen könnte.
Im Rahmen des Projekts PerPrev-CID sollen neue Biomarker identifiziert werden, unter anderem durch Heimtests anhand von Blut- und Stuhlproben. Zudem wird die Wirksamkeit von Ernährungsumstellungen, die sich auf den Tryptophan-Stoffwechsel richten, untersucht. Dies soll helfen, die Behandlungsergebnisse durch frühere Interventionen zu optimieren.
Innovationen in der Rheumatologie
Die Diskussion um neue Therapieansätze geht auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen weiter. Auf dem Deutschen Kongress für Rheumatologie 2024 wurden Fortschritte in immunologischen Therapien präsentiert, insbesondere hinsichtlich neuer Biologika und JAK-Inhibitoren, die gezielt immunologische Wege blockieren, um Entzündungen zu reduzieren. Die Visite Medizin berichtet zudem von individualisierten Therapieansätzen, die auf genetischen und immunologischen Profilen der Patienten basieren.
Die Entwicklungen in der Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen zeigen vielversprechende Ergebnisse und könnten nicht nur die Symptomkontrolle verbessern, sondern auch langfristige Schäden minimieren. Künftige Forschungsanstrengungen in der Rheumatologie zielen darauf ab, den Patienten ein schmerzfreieres und aktiveres Leben zu ermöglichen.