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Fahrradfahren lernen als Erwachsener: Neue Kurse in Leipzig

Das Geheimnis enthüllt: Einblick in einen besonderen Fahrradkurs

Leipzig. Für den Großteil der Bevölkerung ist es eine selbstverständliche Art der Fortbewegung: Fahrradfahren. Es macht unabhängig, erfordert keine Suche nach dem Parkplatz, ist gesund und gut für die Umwelt. Doch es gibt zahlreiche Erwachsene, die nicht Radfahren können oder nach einem Unfall damit aufgehört haben. „Es wird vorausgesetzt, dass es jeder kann“, erzählt Susann, die ihren Nachnamen für sich behalten will. Die 48-Jährige hat Radfahren nie gelernt. In einem Chemnitzer Stadtteil aufgewachsen, war ihre Mutter damals besorgt, ihr könne etwas passieren. Der Verkehr sei zu dieser Zeit von Autos bestimmt gewesen. Wenn Freunde Radtouren unternommen haben, sagte Susann oft, sie habe keine Zeit. Tägliche Wege erledigte sie mit Bus und Bahn, zu Fuß und später mit dem Auto.

Etwa jeder Vierte (25 Prozent) in Deutschland zwischen 14 und 69 Jahren fährt nie oder nur selten Fahrrad. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert wurde. Andere Mobilitätsforscher gehen sogar von der Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland aus. Von den 25 Prozent gaben 11 Prozent an, nicht Fahrrad fahren zu können. Rechnet man diese Zahlen für Leipzig hoch, betrifft das etwa 17.000 Menschen.

Vor ein paar Wochen änderte sich etwas in Susanns Leben. Mit klopfendem Herzen stand sie am Radübungsplatz der Alten Messe in Leipzig. Eine nahestehende Person hatte ihr einen Kurs bei der Radfahrschule des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) für Erwachsene geschenkt. Die Teilnehmenden reisen einmal wöchentlich aus Oederan, Dresden und dem Erzgebirge nach Leipzig. In ihrer Region gibt es keine vergleichbaren Angebote. Doch warum sind sie bereit, einen Kurspreis von 195 Euro zu zahlen?

Beim ADFC in Leipzig werden Menschen mit unterschiedlichem Niveau zusammen geschult. Dazu gehört die Gruppe der Fahranfänger, für die das Radfahren beispielsweise durch die Eltern verboten oder nie gelernt wurde. Eine weitere Gruppe setzt sich aus Erfahreneren zusammen. „Dazu gehören Teilnehmende, die Unfälle erlebt haben und sich wieder an das Fahren gewöhnen wollen“, verdeutlicht Klengel. Radfahrkurse sind unterschiedlich aufgebaut, doch die meisten beginnen wie in Leipzig mit einem Tretroller. Auf diesem werden die wichtigsten Fertigkeiten wie Gleichgewicht halten und Bremsen bereits erlernt. „Erwachsenen fehlt im Vergleich mit Kindern das Spielerische, die scheinbar sinnlose Wiederholungen machen“, resümiert die Leiterin. Es ist deshalb mehr als „einfach losfahren“, mehr als eine Mutprobe, da ist sich Klengel sicher.Mit ihrem Team sucht sie derzeit nach Menschen, die diese Einstellung teilen und sich zum Radfahrschullehrer ausbilden lassen wollen.

Mit einem Portfolio, das mehr als zwei Jahrzehnte Berufserfahrung umfasst, ist der freie Redakteur und Journalist Martin Schneider ein fester Bestandteil der deutschen Medienlandschaft.
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