Am 8. März 2025 wird weltweit der Internationale Frauentag gefeiert, ein Anlass, der auch historisch betrachtet interessante Einblicke in die Rolle der Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gibt. Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, stellt in einem Interview klar, dass es der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) nie um echte Gleichberechtigung ging. In ihrem 2016 veröffentlichten Buch „Frauen in der DDR“ thematisiert sie das komplexe Zusammenspiel von Berufstätigkeit und traditionellen Rollenbildern.
Kaminsky, die selbst in der DDR aufwuchs und Sprachwissenschaften in Leipzig studierte, beschreibt, dass Frauen in der DDR zwar häufig berufstätig waren, gleichzeitig jedoch auch die Care-Arbeit innerhalb der Familie übernahmen. Es wurde versprochen, dass Männer von der Berufstätigkeit ihrer Frauen profitieren würden. Doch die Realität war, dass Männer in der Regel keine Nachteile erleiden sollten, während Frauen die gesellschaftlichen Erwartungen erfüllten.

Die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen der DDR waren von kommunistischen und sozialistischen Idealen geprägt. Die Berufstätigkeit der Frauen war nicht nur eine gesellschaftliche Notwendigkeit, sondern auch politisch-ideologisch motiviert. Das Ziel der Staats- und Parteiführung war nicht die Emanzipation, sondern die Unterstützung der männlich dominierten Führung. Viele Frauen lernten, mit den Herausforderungen zu leben, wobei der Druck, sowohl im Berufsleben als auch im Haushalt zu bestehen, groß war.

Die Rolle des Demokratischen Frauenbundes

Der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD) wurde bereits 1947 gegründet und setzte sich für die Belange von Frauen ein. Seine Angebote wie Strickzirkel und Kochkurse orientierten sich oft an traditionellen Geschlechterrollen. Ziel war es, den Zugang zu Bildung zu fördern. In der frühen DDR wurde versucht, mehr Frauen den Zugang zu Universitäten zu ermöglichen.
Durch Arbeitskräftemangel kam es zu einer stärkeren Einbeziehung von Frauen in die Arbeitswelt. In den 1980er Jahren waren über 90 Prozent der Frauen entweder berufstätig oder in Ausbildung. Dennoch blieben höhere Sphären der Macht Männern vorbehalten; keine Frau war Vollmitglied des Politbüros der SED.

Trotz der formalen Gleichstellung in vielen Bereichen, wie dem Zugang zu Berufen und Bildung, änderte sich das gesellschaftliche Rollenbild der Frauen kaum. So leisteten Frauen im Durchschnitt 37,1 Stunden Hausarbeit pro Woche, während sie gleichzeitig in der Erwerbsarbeit aktiv waren. Die Technisierung des Haushalts mit Küchengeräten und anderen Hilfsmitteln war zwar ein Fortschritt, konnte jedoch die zusätzliche Belastung nicht grundlegend verändern.

Nach der Wiedervereinigung

Nach der Wende 1989 hatten viele Frauen aus der DDR den Wunsch, weiterhin zu arbeiten, jedoch mit flexibleren Teilzeitmöglichkeiten. Es wurde vermerkt, dass Frauen aus der ehemaligen DDR als Verliererinnen der deutschen Einheit wahrgenommen wurden, während sie selbst diesen Status oft nicht so empfanden. Sie hatten gelernt, Belastungen auszuhalten und reagierten nach 1990 flexibler auf Veränderungen, was ihnen unter anderem half, sich neuen Herausforderungen zu stellen, wie etwa einer neuen Ausbildung.

Der Internationale Frauentag am 8. März wurde in der DDR als populäres Ereignis gefeiert und oft als „Tag der verkehrten Welt“ interpretiert, bei dem symbolische Gesten von männlichen Kollegen den Frauen Respekt zollen sollten. Der damalige gesellschaftliche Kontext, der geprägt war durch die politischen und sozialen Strukturen der SED, verdeutlicht, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter eine komplexe und vielschichtige Thematik bleibt.
Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in den Arbeiten von genderopen.de und bpb.de.