Bernd Hauptmann, ein erfahrener Gärtner im Alter von 67 Jahren, übergibt die traditionsreiche Gärtnerei Hauptmann in Briesnitz an seinen Sohn Jens. Die Gärtnerei, die seit etwa 125 Jahren besteht, hat das Familienunternehmen durch viele Herausforderungen geführt, darunter die Flutkatastrophe von 2002, Ehec-Wirren und die Corona-Pandemie. Bernd Hauptmann hat über 35 Jahre lang auf dem zwei Hektar großen Gelände gearbeitet und kennt die Anlage von Grund auf. Trotz der unsicheren Zukunft, die er für die Gärtnerei sieht, bleibt er aktiv im Geschäft.

Die Gärtnerei produziert mehr als 15 Gemüsesorten und über 20 Arten von Schnittblumen. Zu den wichtigen Geschäftspartnern gehören Edeka Scheller und der Edeka-Großhandel C+C. Zudem sind die Hauptmanns wöchentlich auf dem Lingnermarkt in Dresden vertreten. Aktuell diversifiziert sich das Angebot mit einer Ernte von 70 Kilogramm Grünkohl, der für ein Grünkohlessen im Hotel Hilton in Dresden vorgesehen ist.

Herausforderungen der Zukunft

Die Herausforderungen sind jedoch erheblich, schätzt Bernd Hauptmann, dass in zehn Jahren in der Region nur noch zwei Gärtnereien existieren werden. Die Gründe dafür sind vielfältig, darunter Nachwuchsprobleme in der Branche. Während Jens Hauptmann die Fußstapfen seines Vaters tritt, scheint seine Tochter nicht an der Fortführung des Familienbetriebs interessiert zu sein. Ein anderer Enkel könnte jedoch möglicherweise Interesse zeigen und die Tradition fortsetzen.

Ein besorgniserregender Aspekt ist der Klimawandel, der neue Herausforderungen mit sich bringt. Extreme Wetterereignisse wie Starkregen und hohe Temperaturen nehmen zu, was die Arbeit der Gärtner zusätzlich erschwert. Neben diesen Herausforderungen gibt es auch Chancen; etwa die verlängerte Vegetationszeit, die es ermöglicht, mehrere Ernten pro Jahr einfahren zu können. Diese positiven Effekte stehen jedoch im Schatten der damit verbundenen Risiken, wie etwa die höhere Anfälligkeit von Obstbäumen für Spätfröste oder das Aufkommen von schädlichen Insekten durch mildere Winter.

Grünkohl im Fokus

Das Interesse an Grünkohl hat seit den 90er Jahren zugenommen, als er ursprünglich noch als Nischenprodukt galt. Er ist nun Teil eines Trends in der regionalen Ernährung, der auch in der Publikation „taschenGARTEN 2024“ beleuchtet wird. Hierbei wird der Fokus auf die Pflege von Gemüsegärten unter den neuen klimatischen Bedingungen gelegt, mit Strategien zur Bodenverbesserung, Pflanzenwahl und Bewässerung. Das Motto dieser Veröffentlichung, die sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft beschäftigt, lautet: „Grünkohl statt Braunkohle“.

Ein weiterer Aspekt ist, dass der Klimawandel nicht nur das Anbauspektrum verändert, sondern auch zu einem rechtzeitigen Vegetationsbeginn führt, der im Vergleich zu vor 50 Jahren rund 20 Tage früher erfolgt. Die hohen Temperaturen und das vermehrte Auftreten von Dürreperioden sowie Starkregen stellen die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Um diesen zu begegnen, sind verschiedene Maßnahmen zur Ernteabsicherung notwendig, wie beispielsweise Frostschutzvorkehrungen und der Einsatz von Bewässerungsanlagen.

Die Gärtnerei Hauptmann steht vor einer spannenden, aber auch herausfordernden Zukunft. Die Übergabe an die nächste Generation könnte ein wichtiger Schritt sein, um die lange Tradition des Unternehmens fortzuführen, aber der Schatten des Klimawandels bleibt dennoch eine Herausforderung, die nicht ignoriert werden kann.