Das „International Journal of Production Research“ hat einen Artikel der Professur für Fabrikplanung und Intralogistik der Technischen Universität Chemnitz als „Top Trending Article 2024“ ausgezeichnet. Der Artikel mit dem Titel „Assessing supply chain responsiveness, resilience and robustness (Triple-R) by computer simulation: a systematic review of the literature“ wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Thürer verfasst. Die Auszeichnung hebt die Relevanz von Resilienz in der heutigen Geschäftswelt hervor, da Unternehmen sich auf unwahrscheinliche und extreme Ereignisse, oft als „graue und schwarze Schwäne“ bezeichnet, vorbereiten müssen. Mathematische Modelle und empirische Methoden reichen oft nicht aus, um Resilienz adäquat zu verstehen, was Computersimulationen zu einem wertvollen Hilfsmittel macht, um Risiken zu erkennen, zu bewerten und strategische Anpassungen vorzunehmen.
Das „International Journal of Production Research“, das 1961 gegründet wurde, genießt einen hohen Stellenwert in den Bereichen Fertigung, Industrietechnik, Operations Research und Managementwissenschaften. Es zeichnet jährlich bedeutende Artikel aus, die aktuelle Fragestellungen beleuchten.
Der Einfluss von kleinen und mittleren Unternehmen
Über 99 % der deutschen Unternehmen sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die eine zentrale Rolle in industriellen Lieferketten spielen. Diese Unternehmen sehen sich neuen regulatorischen Maßnahmen gegenüber, die zusätzlichen Druck auf die Transparenz in der Lieferkette ausüben. In diesem Kontext wird die Bedeutung von KMU deutlicher, die oft mit finanziellen und personellen Engpässen kämpfen. Eine Studie hat KMU-gerechte Lösungsansätze untersucht, um Resilienz und Nachhaltigkeit zu fördern, und zeigt, dass umfassende Transparenz und Zusammenarbeit in der Lieferkette essenziell sind.
Die Covid-19-Pandemie hat die Verwundbarkeit von Unternehmen hinsichtlich Lieferkettenunterbrechungen erneut offengelegt. Resilienz umfasst demnach die Fähigkeit, Störungen frühzeitig zu erkennen, schnell zu reagieren und sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Zudem sind Unternehmen durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), das am 1. Januar 2024 in Kraft tritt, zur Einhaltung von Menschenrechten in ihrer Lieferkette verpflichtet, was insbesondere Unternehmensgrößen mit mindestens 1000 Beschäftigten betrifft.
Herausforderungen und Handlungsempfehlungen
Unternehmen sollten sich intensiv mit den Themen Resilienz und Nachhaltigkeit auseinandersetzen, um für zukünftige Herausforderungen gewappnet zu sein. Die Befragung in der Metropolregion Hamburg, die von September bis Dezember 2022 durchgeführt wurde, zeigt, dass viele KMU Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen haben. Über 40 % der Teilnehmer gaben an, dass der Einfluss fehlender personeller Ressourcen als hoch eingeschätzt wird. Die Studie empfiehlt, Kosteneinsparungspotenziale zu identifizieren, Digitalisierung zur Effizienzsteigerung zu nutzen und Netzwerke zur gemeinsamen Bewältigung von Herausforderungen zu bilden.
Wesentlich ist auch das Supply Chain Resilience Management, das Unternehmen dabei unterstützt, auf unerwartete Störungen und Krisen zu reagieren und sich schnell zu erholen. Es umfasst strategische Planung und Umsetzung zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Lieferketten. Die Kernelemente dieses Managements beinhalten Risikomanagement, Diversifikation, Flexibilität und enge Zusammenarbeit mit Lieferanten.
Diese Ansätze sind entscheidend, um die Agilität und Reaktionsfähigkeit eines Unternehmens zu steigern. Unternehmen können so nicht nur ihre Versorgungssicherheit gewährleisten, sondern auch Kosten reduzieren und Marktveränderungen besser begegnen. Resilienz und Nachhaltigkeit sind folglich mehr als nur Schlagworte; sie sind essentielle Bestandteile einer erfolgreichen Unternehmensstrategie in der heutigen, dynamischen Wirtschaft.