Ein bedrückendes Ereignis erschütterte Magdeburg kurz vor Weihnachten: Am 20. Dezember durchbrach ein Mann mit einem Auto die fröhlichen Stände des beliebten Weihnachtsmarktes. Was als festlicher Ort des Lichts und der Freude dienen sollte, verwandelte sich in eine Szene des Schreckens. Der Angriff forderte das Leben von fünf Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Noch liegen die Motive des Täters im Dunkeln. Der 50-jährige Mann soll aus Saudi-Arabien stammen und angeblich in islamfeindlichen und rechtsextremen Kreisen verkehrt haben, wie Deutschlandfunk berichtete. Darüber hinaus spielte wohl auch psychische Erkrankung eine Rolle bei dieser tragischen Tat.
Für die Muslime in Deutschland ist die Tragik doppelt: Neben der Trauer um die Opfer müssen sie sich oft der Unterstellung erwehren, sie stünden unter Generalverdacht bei solchen Anschlägen. Abdassamad El-Yazidi, der Interimsvorsitzende des Zentralrats der Muslime, machte unmissverständlich klar, dass eine solche Stigmatisierung keine Grundlage in einer demokratischen Gesellschaft haben dürfe. Denn die muslimische Gemeinschaft wird nicht nur mit den Tätern in Verbindung gebracht, sondern oftmals auch vernachlässigt, wenn sie selbst Opfer von Hass wird, betont El-Yazidi.
Ein Aufruf zur Einheit
Während Deutschland trauert und sich viele fragen, wie Hass Ideologien so stark verankert werden konnten, hebt El-Yazidi die gesellschaftlichen Folgen dieser Tat hervor. „Antimuslimischer Rassismus ist weit verbreitet“, beklagt er in einem Interview mit DOMRADIO.DE, und fordert, dass die Gesellschaft die Verantwortung zur Eindämmung dieses Hasses übernehmen müsse.
Die Politik habe bereits Schritte unternommen, wie etwa eine Expertengruppe zur Bekämpfung von Muslimfeindlichkeit, doch die umgesetzten Maßnahmen bleiben oft an der Oberfläche und finden wenig Eingang in den politischen Mainstream. Besonders die bevorstehende Bundestagswahl sei ein entscheidender Moment, um den Islam nicht länger nur als Problem in den Wahlprogrammen erscheinen zu lassen, betont El-Yazidi voller Inbrunst. Die Muslims in Deutschland wollen als Gestalter und Teilhaber dieser Demokratie anerkannt werden.
Religion als Brückenbauer
Inmitten dieser Spannungen betont El-Yazidi die Rolle der Religion als verbindendes Element zwischen den Menschen. „Toleranz, Mitgefühl und Solidarität sind die Werte, die religiöse Gemeinschaften schon lange fördern“, sagt er. Gerade der offene Dialog und Initiativen wie ‚Meine Stimme zählt‘, die Muslime zur aktiven politischen Teilnahme ermutigt, wären entscheidende Mittel gegen Vorurteile.
Aber auch die Politik müsse mehr tun, um gegenseitiges Verständnis zu fördern. Bildungsinitiativen, die interreligiösen Dialog stärken und Islamischen Religionsunterricht als festen Bestandteil in Schulen etablieren, seien unerlässlich bei der Verbreitung von Wertschätzung und Abbau von Vorurteilen.
Gemeinsame Verantwortung an der Schwelle des Neuen Jahres
El-Yazidis Botschaft, während die Lichter zu Weihnachten erstrahlen, ist eine Einladung an die ganze Gesellschaft, innezuhalten und sich auf das Gemeinsame zu fokussieren: „Diese Jahreszeit ermahnt uns, Verantwortung füreinander zu übernehmen, unabhängig von Religion oder Überzeugungen.“ Er erinnert daran, dass Muslime, Christen, Juden und Atheisten die gleichen Werte von Menschlichkeit und Respekt teilen.
Der Ruf geht an alle Bürgerinnen und Bürger, sich vereint gegen Spaltung und Hass zu wehren und die Demokratie zu schützen. El-Yazidi sieht gerade in der muslimischen Gemeinschaft eine starke Kraft: „Wir müssen weiter offen im Dialog bleiben und unsere Stimme erheben, um die Gesellschaft positiv mitzugestalten.“ Die bevorstehende Wahl bietet die Chance, sich für eine Gesellschaft auszusprechen, die Vielfalt respektiert und allen Menschen ihren Platz bietet.