Sachsen-Anhalt

Geheime Schätze enthüllt: Die verlorene Geschichte der Stendaler Freimaurer

Die geheime Rettungsaktion der Freimaurer-Schätze in Stendal

NS-Raubgut: Wie die Freimaurer in Stendal ihre Kultgegenstände retteten

In ihrer missionierten Suche nach dem Eigentum der Stendaler Freimaurer stieß Historikerin Corrie Leitz auf faszinierende Stücke, darunter die wertvolle Dilherr-Bibel aus dem Jahr 1693. Dieses kostbare Relikt war ein Teil der Sammlung, die im Altmärkischen Museum aufbewahrt wurde. Zusätzlich zu der Bibel fanden sich aus dem Museum Depot auch personalisierte Trinkgläser mit Freimaurer-Gravuren, zahlreiche Bücher und Freimaurer-Schürzen und -zirkel.

Die Nationalsozialisten hatten das Ziel, sämtliche freimaurerischen Objekte zu vernichten. Die Freimaurer, die auf den Prinzipien von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ basierten, wurden von den Nazis als Bedrohung angesehen. Durch ihre Auflösung und die Zerstörung ihres Eigentums versuchten die Nationalsozialisten, das Freimaurer-Netzwerk zu eliminieren. Doch auch in Salzwedel wurden in dieser Zeit große Feuer entfacht, die das Vermögen der Freimaurer vernichteten.

Dank persönlicher Verflechtungen gelang es in Stendal, einige der Freimaurer-Objekte zu bewahren. Museumspersonal, das selbst Freimaurermitglieder waren, trug maßgeblich dazu bei, dass ein Teil des kulturellen Erbes gerettet werden konnte. Obwohl das Altmärkische Museum von dieser Rettungsaktion profitierte und seinen Bestand erweiterte, erwies sich die Institution als sicherer Hafen für das Überleben von Freimaurer-Eigentum.

Die Provenienzforscherin Corrie Leitz wurde mit der Aufgabe betraut, die Freimaurer-Gegenstände genauer zu untersuchen. Gefördert durch das „Deutsche Zentrum Kulturgutverluste“, arbeitet sie unermüdlich daran, das Raubgut der NS-Zeit aufzudecken und gegebenenfalls an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben. Unter anderem steht die Rückgabe der Gegenstände an die Johannes-Loge „Zur Goldenen Krone“ oder die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin zur Debatte, doch die Verhandlungen hierzu sind noch nicht angelaufen.

Die Freimaurer in Stendal haben dank des Engagements von Forschern wie Corrie Leitz und der musealen Verwaltung geschafft, einen Teil ihres kulturellen Erbes vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten zu bewahren. Trotz der Herausforderungen und Ungewissheiten bezüglich der Rückgabe des NS-Raubguts bleibt die Hoffnung, dass diese wertvollen Gegenstände wieder in die Hände ihrer rechtmäßigen Eigentümer gelangen.

Lebt in Albersdorf und ist seit vielen Jahren freier Redakteur für Tageszeitungen und Magazine im DACH-Raum.
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