Annika Schreiter betreut das Projekt „Bubble Crasher“ in Thüringen, das darauf abzielt, die Filterblasen der Teilnehmer zu durchbrechen. Im Austausch mit einem Kollegen in Sachsen-Anhalt erkennt sie, dass viele engagierte Menschen in aktivistischen Kreisen oft in ihren homogenen Sichtweisen gefangen sind. „Die Kommunikation und Themen in dieser Blase schließen einige Menschen aus“, erklärt Schreiter. Das Ziel des Projekts ist es, den Teilnehmern zu helfen, sich ihrer eigenen Perspektive bewusster zu werden und zu verstehen, dass diese nur eine von vielen ist. Durch die Förderung des Verlassens der eigenen Filterblase sollen die Teilnehmer die Möglichkeit erhalten, andere Perspektiven kennenzulernen und idealerweise auch in den besuchten Blasen einen Wandel herbeizuführen, insbesondere bei dem Gefühl, nicht gehört zu werden.

In der heutigen Zeit spielt die Technologie eine große Rolle dabei, wie Informationen bereitgestellt werden. Algorithmen in sozialen Netzwerken und Nachrichtenaggregatoren sind oft intransparent, was die Nutzer hinsichtlich der angezeigten Inhalte in die Irre führen kann. Nutzer*innen können nur schwer nachvollziehen, wie deren Interaktionen und Suchanfragen die dargestellten Informationen beeinflussen. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) neigen Menschen dazu, Informationen auszuwählen, die ihr bestehendes Weltbild stützen, ein Phänomen, das als „Selective Exposure“ bekannt ist. Kritiker warnen, dass diese algorithmische Filterung den Informationshorizont einschränkt und somit zu einseitigen Weltanschauungen führen kann.

Die Gefahren und Chancen sozialer Medien

Die zunehmend digitalisierte Welt beeinflusst nicht nur den Zugang zu Informationen, sondern auch den gesellschaftlichen Dialog. Ein Artikel über die Herausforderungen, die Algorithmen und Filterblasen für die politische Meinungs- und Urteilsbildung darstellen, hebt hervor, dass während Facebook und Co. potenziell die Demokratisierung von Informationen ermöglichen, sie auch das Risiko der Verbreitung von Desinformationen birgen. Politik-Kompetenz ist mittlerweile unerlässlich für die Mündigkeit der Bürger*innen, insbesondere in Zeiten zunehmender Polarisierung. Die Studien zeigen, dass es an Kompetenzen fehlt, um kritisch mit den bereitgestellten Informationen umzugehen und die Funktionsweisen von Algorithmen zu durchschauen.

Die Verwendung sozialer Medien zum Informieren über politische Themen ist heute weit verbreitet, jedoch kann diese Form des Konsums dazu führen, dass sich Menschen in Echokammern zurückziehen. Die Kombination aus Selective Exposure und Confirmation Bias verstärkt hierbei den Eindruck von Isolation. Während dennoch einige Studien darauf hinweisen, dass Nutzer*innen mit mehr unterschiedlichen Perspektiven konfrontiert werden, als sie annehmen, bleibt die Frage, inwiefern diese digitalen Phänomene tatsächlich zur weltanschaulichen Isolation führen.

Bildungsansätze zur Förderung der Medienkompetenz

Die bpb hebt die Wichtigkeit politischer Medienkompetenz hervor. Diese umfasst die Fähigkeit, Informationen zu suchen und kritisch zu bewerten, sowie Kenntnisse über die Funktionsweise von algorithmischen Empfehlungssystemen. Ein neues Konzept basierend auf dem Modell von Detjen et al. könnte dazu beitragen, Kompetenzen sowohl bei Schüler*innen als auch bei Jugendlichen zu stärken, um in der digitalen Welt sicher navigieren zu können. Forschungsfragen thematisieren hierbei, welche speziellen Fähigkeiten notwendig sind, um in der digitalen Informationslandschaft zurechtzukommen und politische Urteilsbildung zu fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Projekt „Bubble Crasher“ von Annika Schreiter sowie die Diskussionen über algorithmische Filter- und Echokammern auf die dringende Notwendigkeit hinweisen, die Medienkompetenz in der Gesellschaft zu erhöhen und das Bewusstsein für die eigene Perspektivenbildung zu schärfen. Nur so können wir effektiven Dialog und politische Mündigkeit fördern.