Der Diebstahl aus dem Großsteingrab „Immekath 1“ nahe Klötze in der Altmark hat die archäologische Gemeinschaft in Sachsen-Anhalt in Aufruhr versetzt. Am 25. Februar 2025 wurde ein Mann vom Amtsgericht Gardelegen verurteilt, weil er einen 500 Kilogramm schweren Stein aus dem etwa 5.000 Jahre alten Grab entwendet hatte. Das Gericht wies ihn an, den Stein zurückzugeben und eine Geldstrafe von 6.000 Euro wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung zu zahlen. Der Stein, der eine Höhe von 1,25 Metern und eine Breite von 75 Zentimetern aufweist, war Teil der ursprünglichen vier Standsteine und einem Deckstein des Grabes, das als wichtiges Relikt der Trichterbecherkultur gilt. Vor dem Diebstahl bestand das Grab aus insgesamt vier Steinen, von denen zwei in den Jahren 2010 und 2012 ebenfalls entwendet wurden, wie Merkur berichtet.
Dieser Vorfall ist nicht isoliert. Zwischen 2022 und 2024 wurden in Sachsen-Anhalt insgesamt 19 Raubgrabungsdelikte angezeigt, was auf die prekäre Situation des Erhalts der wertvollen Kulturdenkmäler hinweist. Landesarchäologe Harald Meller betont die kulturelle Bedeutung solcher Monumente und die Dringlichkeit, gegen Raubgräber vorzugehen. Ziel des Landesamtes für Denkmalpflege ist es, die Kulturlandschaft zu erhalten, und es werden regelmäßig Informationsveranstaltungen angeboten, um das Bewusstsein zu schärfen. In Sachsen-Anhalt engagieren sich zudem rund 350 ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger in diesem Bereich, teilweise mit Erlaubnis, Metallsonden zu nutzen.
Megalithische Kulturen in Sachsen-Anhalt
Die Megalithik, die während der Jungsteinzeit in Sachsen-Anhalt auftrat, erstreckt sich über eine Vielzahl von archäologischen Kulturen. In Sachsen-Anhalt sind etwa 500 Großsteingräber bekannt, von denen 167 erhalten sind. Besonders ausgeprägt sind diese Anlagen in der Altmark und im Landkreis Börde, wo verschiedene Kulturen, darunter die Trichterbecherkultur und die Wartberg-Kultur, ihre Spuren hinterlassen haben. Historische Berichte und erste wissenschaftliche Untersuchungen, begonnen in den 1720er Jahren, haben den Wert dieser Monumente hervorgehoben. Jedoch haben über die Jahrhunderte hinweg Zerstörungen durch landwirtschaftliche Maßnahmen und Materialgewinnung stattgefunden, die den Bestand gefährdet haben.
In der Altmark gibt es derzeit noch zwei Großsteingräber von ursprünglich sechs – ein Zeichen für die Herausforderungen, die die Erhaltung dieser prähistorischen Stätten mit sich bringt. Das berühmteste Beispiel aus Sachsen-Anhalt ist die Himmelsscheibe von Nebra, die 1999 entdeckt und 2002 sichergestellt wurde. Die Steine aus diesen Gräbern können Werte von bis zu 10.000 Euro erreichen und sind damit ein beliebtes Ziel für Diebe.
Tourismus und Erhalt der Megalithkultur
Um die archäologische Geschichte und die Megalithkultur zu fördern, wurden in verschiedenen Regionen Deutschlands Touristenziele etabliert. Die „Megalithic Routes“ bieten beispielsweise eine Ferienstraße im Nordwesten Deutschlands, die mehr als 5.000 Jahre alte Hünengräber miteinander verbindet. Solche touristischen Routen sind nicht nur für Historiker und Archäologen von Interesse, sondern auch für Wanderer und Geschichtsinteressierte, die mehr über die alten Kulturen erfahren möchten. Historische Dokumente und Sagen belegen die kulturelle Bedeutung dieser Gräber seit dem Mittelalter.
Insgesamt sind Großsteingräber und Menhire hervorragende Zeitzeugen der menschlichen Geschichte, die sowohl durch ihre bauliche Gestaltung als auch durch die damit verbundenen Mythen und Legenden faszinieren. In Sachsen-Anhalt stehen über 150 von insgesamt 450 bekannten Megalithgräbern erhalten, was die Notwendigkeit verdeutlicht, diese kulturellen Erben zu schützen und zu bewahren, damit sie auch zukünftigen Generationen zugänglich bleiben.