Am 15. März 2025 besuchte Oleksii Makeiev, der ukrainische Botschafter in Deutschland, die Stadt Mainz, um die neu initiierte Städtepartnerschaft mit Odessa zu stärken. Das Treffen fand in Anwesenheit des parteilosen Oberbürgermeisters Nino Haase statt. Im Rahmen seines Besuchs trug Makeiev sich ins Goldene Buch der Stadt ein, ein symbolischer Akt, den er als bedeutend für die Menschen in Odessa bezeichnete. Die FAZ berichtet, dass Haase auch einen kurzen Spaziergang ins Gutenberg-Museum unternahm, wo er die Bedeutung des Buchdrucks erläuterte und vier Bibelexponate präsentierte.
Bei diesem Anlass teilte Lukas Augustin, Präsident der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft, mit, dass aktuell Scanner an die Ukraine geliefert werden, um historische Schriften digital zu sichern. Haase äußerte die Hoffnung, dass die Partnerschaft nach einem möglichen Friedensabkommen aktiv gelebt werden kann. Besonders hervorzuheben ist, dass diese Partnerschaft nicht aus einem politischen Beschluss heraus entstanden ist, sondern auf einer bürgerschaftlichen Initiative basiert, die aus der Bevölkerung von Mainz heraus entstand.
Bedeutung der Partnerschaft
Die Mainzer Bürger hatten die Idee zur Partnerschaft mit Odessa entwickelt und erfolgreiche Überzeugungsarbeit bei den Kommunalpolitikern geleistet. Ziel ist es, handfeste Hilfsangebote für den Wiederaufbau der vom Krieg geprägten Stadt zu schaffen. Makeiev und Haase konnten sich bereits auf ein persönliches Treffen mit Hennadij Truchanow, dem Stadtoberhaupt von Odessa, freuen. Zudem betonte Makeiev die Bedeutung dieser Städtepartnerschaft als unmissverständliches Zeichen auf internationaler Ebene, insbesondere im Kontext der aktuellen politischen Entwicklungen und der Hoffnung auf positive Signale im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung.
Augustin sieht in dieser Partnerschaft einen Katalysator für weitere europäische Städteverbindungen und schlägt möglicherweise sogar Dreieckspartnerschaften vor, wie zum Beispiel mit der israelischen Stadt Haifa. Haase stellte sich zudem eine friedliche Zukunft mit gemeinsamen Besuchen und einem aktiven Austausch vor, der auch in kulturellen Bereichen Früchte tragen könnte.
EU-Integration und Dezentralisierung in der Ukraine
Im weiteren Kontext der Städtepartnerschaft ist die EU-Integration entscheidend für die Entwicklung der Städte und Regionen der Ukraine. Der Europäische Ausschuss der Regionen hebt hervor, dass lokale und regionale Gebietskörperschaften der Ukraine die Bedeutung von Dezentralisierung, Ausbildungsprogrammen und internationalen Partnerschaften unterstreichen. Die laufenden Reformen in der Ukraine, die bereits 2014 initiiert wurden, werden als essentiell für die Widerstandsfähigkeit des Landes gegen die Invasion seit 2022 angesehen.
Auf einer Sitzung der Arbeitsgruppe „Ukraine“ wurde der Bedarf an Generatoren deutlich, um die durch russische Angriffe entstandenen Schäden im Stromnetz zu beheben. Zudem fordern Vertreter eine verstärkte europäische Integration und die Bereitstellung von EU-Mitteln zur Unterstützung der regionalen Entwicklung. Mit dieser Unterstützung sollen die Kapazitäten der ukrainischen Regionen in der Selbstverwaltung und der europäischen Integration gestärkt werden.
Patrick Molinoz, Vizepräsident der Region Bourgogne-Franche-Comté, kündigte eine bevorstehende Plenartagung an, bei der Partnerschaften zwischen französischen und ukrainischen Gemeinden gefördert werden sollen. Es zeigt sich, dass die Zahl der Partnerschaften zwischen EU-Regionen und ukrainischen Städten seit Beginn des Konflikts im Februar 2022 zugenommen hat, was als positives Signal für die Zukunft der Zusammenarbeit gilt. Der Besuch Makeievs in Mainz ist somit auch ein Schritt in einem weiter gefassten Rahmen, in dem europäische Zusammenarbeit und Unterstützung für die Ukraine von zunehmender Bedeutung sind.