Biontech steht vor einer massiven Umstrukturierung, die von einem erheblichen Rückgang der Nachfrage nach seinem Covid-19-Impfstoff geprägt ist. Das Unternehmen plant, am Produktionsstandort Marburg zwischen 250 und 350 der 670 Vollzeitstellen abzubauen. Auch der Standort Idar-Oberstein ist betroffen, wo bis zu 150 Stellen gestrichen werden sollen. Insgesamt erwartet Biontech, bis Ende 2027 in Europa und Nordamerika zwischen 950 und 1.350 Arbeitsplätze abzubauen. Diese Maßnahmen sind eine direkte Reaktion auf einen Nettoverlust von rund 700 Millionen Euro, der für das Jahr 2024 prognostiziert wird, nachdem das Unternehmen im Jahr 2022 noch Gewinne von 9,4 Milliarden Euro erzielte und 2023 einen Rückgang auf etwa 930 Millionen Euro hinnehmen musste. Der Umsatz fiel von 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf etwa 2,75 Milliarden Euro und wird für das laufende Jahr auf 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro geschätzt.
Die finanziellen Schwierigkeiten von Biontech sind zum Teil auf hohe Investitionen in klinische Studien zur Entwicklung neuer Krebsmedikamente zurückzuführen. Firmenchef Uğur Şahin äußerte sich optimistisch über die Fortschritte in der Krebsforschung und erklärte, dass das Unternehmen mit mRNA-Technologie das Immunsystem unterstützen wolle, um Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Für 2026 wird eine erste Zulassung eines Krebsmedikaments erwartet, wobei der Fokus auf Behandlungen für Blasen- und Darmkrebs liegt. Wichtige Studiendaten zur Behandlung von Darmkrebs sollen noch in diesem oder Anfang des nächsten Jahres veröffentlicht werden.
Umstrukturierung und Stellenabbau
Die geplanten Stellenstreichungen sind nicht nur auf die Standorte Marburg und Idar-Oberstein begrenzt, sondern betreffen auch die strategische Neuausrichtung des Unternehmens. Biontech hat weltweit etwa 7.200 Beschäftigte und will durch den Stellenabbau und -verlagerungen den Stammsitz in Mainz stärken. In Mainz sollen im laufenden Jahr etwa 350 neue Arbeitsplätze entstehen, während insgesamt in anderen Bereichen zwischen 800 und 1.200 neue Stellen in Aussicht gestellt werden.
Besorgnis über die Entwicklungen äußerte auch Marburgs Oberbürgermeister Thomas Spies, der die Bedeutung der Stadt als Wirtschafts- und Pharmastandort betonte. Er wies darauf hin, dass hochqualifizierte Fachkräfte in der Region rar sind, und äußerte seine Besorgnis über die Verunsicherung unter den Mitarbeitern.
Ausblick und strategische Neuausrichtung
Die signifikanten Verluste und der Stellenabbau stehen im Widerspruch zu den bislang positiven Entwicklungen von Biontech, insbesondere während der Coronapandemie, als das Unternehmen von seinem Covid-19-Impfstoff profitierte. Diese neuen Herausforderungen fordern nicht nur eine Überprüfung der Unternehmensstrategie, sondern auch einen strategischen Fokus auf die Forschung und die Entwicklung neuer Therapien. Biontech setzt darauf, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft im Bereich der Krebstherapien zu stellen und plant dazu umfangreiche Investitionen.
Insgesamt zeigt sich, dass Biontech vor einer entscheidenden Phase steht, in der die Anpassung an neue Marktbedingungen und die Neuausrichtung der Geschäftstätigkeiten über die Zukunft des Unternehmens entscheiden werden. Die Fortschritte in der Krebsforschung könnten somit der Schlüssel zur Stabilisierung des Unternehmens nach der Impfstoff-Pandemie sein.
Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen bei Biontech finden Sie auf den folgenden Seiten: Freilich Magazin, Zeit, und Süddeutsche Zeitung.